Erhalten durch Aufessen Hof in Venne dient als Arche für bedrohte Haustierrassen

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Die 14-fache Hinterwälder Mutterkuh Gerlinde gehört zu den alten Archebewohnern auf dem Hof von Ute und Lars Degen in Ostercappeln-Venne. Foto: Harald PreuinDie 14-fache Hinterwälder Mutterkuh Gerlinde gehört zu den alten Archebewohnern auf dem Hof von Ute und Lars Degen in Ostercappeln-Venne. Foto: Harald Preuin

Ostercappeln. Vor sieben Jahren haben Lars (45) und Ute Degen (46) ein Anwesen in Venne gekauft und zu einem Arche-Hof umgestaltet, auf dem etwa zehn bedrohte Tierrassen leben und gezüchtet werden.

So eine Hofgemeinschaft sieht man nur noch selten: Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen, Gänse, Enten, Puten, Hühner, Hunde, Pferd und Katzen. Sommertags nisten Schwalben im Gebälk. Der Arche-Hof von Ute und Lars Degen ist einer von vieren im Osnabrücker Land.

Das Archeprojekt steht für die Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen. Das Motto: Vielfalt nutzen und erhalten. Wer Degen durch seine Stallungen folgt, sieht und riecht, dass hier vieles anders läuft als auf einem modernen landwirtschaftlichen Betrieb. Die Schwäbisch Hällischen Schweine (schwarzer Kopf und Hinterteil) grunzen im Stroh vor sich hin, genießt das Rubbeln am Nackenkamm und die Achter-Gemeinschaft im Koben.

Kunden lieben den besseren Geschmack

Auf dem Arche-Hof Broxten bringen die Tiere 100 bis 120 Kilo auf die Waage, bevor es zum Schlachter geht. Das Fleisch hat einen leicht höheren Fettanteil, was von den Kunden wegen des besseren Geschmacks bevorzugt wird. Manche Stammkunden suchen sich ihr Schlachtvieh schon als Ferkel aus, freut sich Ute Degen, die im Hofladen und beim Verkauf Regie führt.

Mit den Schafen hat es angefangen, berichtet Lars Degen, zunächst ganz normale, dann Pommernschafe, heute gehören zur Archegemeinschaft 25 Mutterschafe mit ihren Lämmern, die verlässliche Fleischlieferanten für den Hofladen sind. Dort liegen auch Schaffelle im Regal, die zum Streicheln nötigen, besonders wenn die Tagestemperatur bei null Grad schwebt. Bei frostigem Wetter kommen die Schafe und zwei Ziegen in den Stall, ansonsten bleiben die Wollknäuel immer draußen.

Gänse begehrt als Festessen

Wenn der Fuchs um die Arche schnürt, wittert er weniger die Schafe. Seine Leckerbissen sind die Hühner, doch sie kommen nachts ebenso in den Stall wie Deutsche Pekingenten und Diepholzer Gänse, die eigentlich alle einen Reserviert-Zettel um den langen Hals tragen müssten, so begehrt sind sie als Festessen zum Martinstag und zu Weihnachten. Für den Nachschub frischer Hühnereier im Hofladen sorgen 225 Legehennen in einem Hühnermobil auf der Weide – „das sind ganz normale“, lacht Ute Degen. Als alte Rasse von der Roten Liste der bedrohten Tierarten haben sich Degens für die Sundheimer Hühner entschieden, über deren Sechser-Schar ein stolzer weißer Gockel mit schwarz-grauem Halskranz und schwarzem Schwanz wacht. Zur Archegemeinschaft gehört dann noch ein Zuchtpaar Cröllwitzer Puten.

Die Rinderhaltung auf dem Hof in Venne dient der Fleischgewinnung. Dazu eignen sich die meisten alten Rassen. So das Rote Höhenvieh, das aus den Deutschen Mittelgebirgen stammt, aber auch das Hinterwälder- und das Vorderwälderrind. Die Arten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Das Rote Höhenvieh galt vor ein paar Jahren schon als ausgestorben, bis sich eingefrorener Samen in einer Laborstation wiederfand. Seither wird auf den Archehöfen eine wachsende Population herangezogen, berichtet Lars Degen. Doch auch hier gilt: „Erhalten durch Aufessen“.

Brot aus dem eigenen Backofen

Im Hofladen zeigt sich der Nutzen in einem breiten Sortiment. Leberwurst, Sülze, Eisbein, Mettwurst, Bierschinken & Co in Gläsern, Schinken in Folie, Cervelatwurst im Naturdarm und auf Bestellung Suppenhühner, Enten und Gänse. Dazu bietet Ute Degen Bienenhonig von einem befreundeten Imker und viele Sorten Fruchtaufstrich aus der Hofladenküche. Der Käse kommt aus dem Sauerland, Brot und Brötchen aber aus dem eigenen Backofen. „Das sind keine Luftbrötchen“, lobt Lars Degen die Backkunst seiner Frau.

Die Kundenfrequenz richtet sich manchmal auch nach dem Wetter, aber ein Großteil der Käufer sind langjährige Stammkunden. Degens Arche-Hof-Broxten liegt nicht gerade an der 1A-Lage, sondern in Venne auf dem platten Land. Gut zu finden, aber eben etwas weit vom Schuss. „Wir betrachten das als unser Hobby und haben Spaß daran“. Deshalb gehört auch der russische Traber Lievt zur Arche, wo er seinen Lebensabend verbringt, nicht zu vergessen Schafpudel Wilma, ein Altdeutscher Hütehund.

Leben können Ute und Lars Degen allein von dem Erlös ihres Hobbys nicht. Zum Hof gehören 20 Hektar Grünland für die Futtergewinnung und Weide für den Auslauf ihrer Tiere. Ein weiteres wirtschaftliches Standbein besteht aus Lars Degens Firma, die sich auf den Bau von Kleinkläranlagen spezialisiert hat.

Mit den Schafen hat es angefangen. Heute gehören zur Archegemeinschaft 25 Mutterschafe mit ihren Lämmern. Foto: Harald Preuin

(Weiterlesen: Wabe-Käserei Wallenhorst macht Käse mit und ohne Milch)


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