Karnevalisten regieren Das Ostercappelner Rathaus wird zum Saloon

Von Rainer Westendorf


Ostercappeln. Die Karnevalisten aus Ostercappeln, Schwagstorf und Venne haben die Macht im Rathaus übernommen. Trotz erheblicher Gegenwehr der Rathausmannschaft eroberten die Närrinnen und Narren am Freitag um 11.11 Uhr den Verwaltungssitz. Bis Aschermittwoch haben sie die Schlüsselgewalt inne.

Überraschten das Mitarbeiterteam sowie Kommunalpolitiker die Angreifer im vergangenen Jahr noch mit einer Büßerprozession von St. Lambertus hinunter zum Rathaus, so hatten die Ostercappelner 2018 den Verwaltungssitz in einen Saloon verwandelt und Holzbarrikaden aufgerichtet. Getreu dem Motto des OKV-Motivwagens: „Wild - Wild - West“.

Die Mauer muss weg

„Die Mauer muss weg“, mit diesem Ruf versuchten die Karnevalsfreunde das Rathaus zu erstürmen. Konfettikanone, Böller und die große Ramme kamen zum Einsatz. Doch die Verteidiger hielten zunächst Stand. Bürgermeister Ellermann merkte an, dass man sich doch von den Närrinnen und Narren nicht das wegnehmen lassen wollte, was in den vergangenen 17 Jahren (so lange ist er nämlich hauptamtlicher Bürgermeister) aufgebaut habe... Immer wieder klang die Feststellung „Eins ist klar auf lange Sicht, den Bürgermeister stellt ihr nicht“, entgegen.

Alkohol und Glücksspiel

Ellermann bezeichnete die Angreifer als Desperados, die Alkohol und Glücksspiel verfallen seien. Solche Leute dürften niemals die Schlüsselgewalt im Rathaus besitzen.

Von wegen High Noon in Ostercappeln. „Wir haben alle eine Ausbildung als Totengräber absolviert“, betonte Ellermann. So wie das im Wilden Westen üblich war. Das verhieß nichts Gutes für die Karnevalisten. Doch schließlich gaben die Verteidiger nach und die Treppe wurde freigegeben. Zuvor musste Werner Mosel vom OKV allerdings noch mit einem sehr kleinen Hammer einen sehr großen Nagel ins Holz einschlagen.

Im Bürgersaal angekommen

Von totaler Kapitulation war dennoch keine Rede. Im Bürgersaal angekommen, gab es noch markige Worte des Hausherren: „„Brot und Wasser könnt ihr haben, daran können sich alle laben. Mehr verdient ihr auf keinen Fall...“. Nun gut, die Eroberung war trotzdem perfekt. „Die Gegenwehr war doch sehr erheblich“, so OKV-Präsident Franz-Josef Achilles. Aber die Tollitäten Prinz Harry II. Menke aus Ostercappeln sowie die Venner Karnevalsprinzessin Katrin I. (Kuhlmann) und Prinz Rene Kuhlmann nahmen schließlich die Rathausschlüssel von Ellermann entgegen. Bis Mittwoch regieren also nun die Närrinnen und Narren – so wie es sich zur Karnevalszeit ja auch gehört. Am 1. März beginnt übrigens die Sanierung und Modernisierung des Ratssitzungssaals. Der Rathaussturm 2018 war also der letzte in der bislang gewohnten Form. In der nächsten Karnevalssession wird das Ziel der Angreifer daher noch attraktiver sein. Ob das Auswirkungen auf die Angriffs- oder Verteidigungsstrategie hat, wird man 2019 sehen.

Eine Wahnsinnsstimmung

Nach gelungener Einnahme des Verwaltungssitzes geht der Blick sofort Richtung Ossensamstag. „Wir werden eine Wahnsinnsstimmung nach Osnabrück tragen“, versprach Franz-Josef Achilles.