Mehr als ein neugotischer Sakralbau St. Lambertus Ostercappeln ist eine „Kirche am Weg“

Von Kerstin Balks


Ostercappeln. Seit einigen Wochen steht rechts vom Eingang der Lambertuskirche eine kleine Stele, darauf ein Schild, das zunächst kryptisch erscheinen mag. Es kennzeichnet den Sakralbau als „Kirche am Weg“ in einem deutschlandweit einzigartigen Angebot des Bistums Osnabrück.

Bei den schwarzen Sprengseln auf dem Schild handelt es sich um einen sogenannten QR-Code. Liest man ihn mit der passenden Software übers Smartphone ein, gelangt man im Internet auf die Seite „ Kirche am Weg “, einem Angebot des Bistums Osnabrück. Darin sind Orte der Anbetung, also Kirchen, Klöster oder Wegekreuze, aber auch Orte christlichen Handelns, wie Krankenhäuser und Kindergärten, und Orte der Erinnerung, wie beispielsweise Stolpersteine, gelistet. Sie alle sind Kirchenorte und sie alle sind mit dem besagten QR-Code versehen, über den man Wissenswertes zu dem jeweiligen Kirchenort direkt aufs Handy erhält.

Nicht nur Architektonisches

„Die Idee zu ,Kirche am Weg‘ entstand 2014 bei einer Bundestagung der Internetseelsorgebeauftragten“, berichtet Rainer Gelhot, der diese Funktion im Bistum Osnabrück ausübt und gleichzeitig Gemeindereferent in Ostercappeln ist. Gemeinsam mit seiner Kollegin Julia Kühling hat er seinerzeit das Angebot entwickelt, bei dem St. Maria Rosenkranz in Osnabrück-Schinkel den Anfang machte. Bei den Texten zu den einzelnen Kirchenorten gehe es immer um die Frage: „Was will man spontan dem Besucher mitteilen, was macht die Kirche oder die Einrichtung besonders“, erläutert Gelhot. Verfüge die Gemeinde über einen gedruckten Kirchenführer, so wie er in Ostercappeln als Flyer am Schriftenstand ausliegt, sollte sich dieser möglichst nicht noch zusätzlich unter „Kirche am Weg“ wiederfinden. Besser könne das Angebot für weitergehende Informationen genutzt werden.

Kirchenorte virtuell öffnen

So findet sich auf der Seite von St. Lambertus außer einem Link zur Seite der Pfarrgemeinde die Beschreibung von etwas, das in dieser Kirche sofort auffällt: ihre Osterkerze. „Sie ist etwas ganz Besonderes, eben auch, weil sie nicht gekauft und anders ist. In einem ökumenischen Projekt werden sie und die Kerze der evangelischen Paulusgemeinde von Mitgliedern beider Kirchengemeinden am Karfreitag auf dem Friedhof gegossen“, heißt es da und es wird der langwierige Prozess des Kerzengießens, der in Ostercappeln inzwischen fast zu einem Ritual der dort ausgeprägten Ökumene geworden ist, ausführlich und mit vielen Fotos beschrieben. „Dass sich die Gemeinden mit ihre eigenen Stärken bewusst machen, deutlich machen, wie vielfältig Kirche ist, aber nicht zuletzt auch Kirchen zumindest virtuell öffnen, die tatsächlich verschlossen sind“, beschreibt Rainer Gelhot den Ansatz von „Kirche am Weg.“ Fast 60 Orte in Stadt und Landkreis Osnabrück, im Emsland und in Ostfriesland sind inzwischen als „Kirche am Weg“ gekennzeichnet, im Altkreis Wittlage sind dies außer St. Lambertus noch die katholischen Kirchen in Schwagstorf und Bad Essen sowie die Marienkrippe Schwagstorf.

Touristische Perspektive?

Nach oben, so Gelhot, seien keine Grenzen gesetzt. Mitmachen könne jede Gemeinde, jede Einrichtung, die eine Aussage christlichen Glaubens habe. Ob daran gedacht ist, diese Orte möglicherweise auch unter touristischen Gesichtspunkten miteinander zu vernetzen, wie es etwa bei den Radwegkirchen der evangelischen Kirche der Fall ist, oder eine Art Pilgerweg zu entwickeln? Ganz von der Hand weisen möchte Gelhot diese Idee nicht, gleichwohl gehe es derzeit noch um etwas anderes: „Ich stehe an einem interessanten Ort und statt im Internet umständlich zu googeln, erhalte ich über den QR-Code direkt verifizierte Informationen“, beschreibt er das deutschlandweit einzigartige kirchliche Angebot.

Immerhin: Wenn man im Internet die Karte oder die Liste mit den „Kirchen am Weg“ betrachtet, findet man dort auch eine Kirche außerhalb des Bistums Osnabrück. Es ist die Kirche St. Anna in Aachen-Walheim. Gelhot dazu: „Die Seite entstand aus einem Internet-Projekt, das die dortige Kollegin mit Jugendlichen als Firmvorbereitung umsetzte. Gern haben wir sie als ,Kirche am Weg‘ aufgenommen – auch wenn der Weg von hier nach Aachen durchaus etwas weiter ist.“ – Infos im Internet unter https://www.kirche-am-weg.net oder per E-Mail an info@kirche-am-weg.net