Gedenkstunde am Alten Markt Ostercappeln gibt Holocaust-Opfern ein Gesicht

Von Andre Partmann


Ostercappeln. Am 27. Januar wird mit dem Holocaust-Gedenktag weltweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Auch in Ostercappeln ist eine Mahnwache initiiert worden. Sie hat ermordeten Juden aus der Gemeinde ein Gesicht gegeben.

Einige ältere Mitbürger in Ostercappeln haben es noch im Gedächtnis: Die fröhlichen Kinderstimmen, die Anfang der 1940er-Jahre täglich am Alten Markt an der heutigen Windhorststraße zu hören waren, sind damals von der einen auf die andere Sekunde erloschen. Es war die Zeit der Hochphase des Nationalsozialismus. Die Kinder am Alten Markt waren Juden, dort hat einstweilen die Familie von Josef und Helene Meyer gewohnt. Was damals mit ihnen geschah? Das nationalsozialistische Regime hat die Deportation der Familie angeordnet. Es war gewissermaßen ihr Todesurteil.

Mahnmale

Fast 73 Jahre ist der Zweite Weltkrieg heute her. An die jüdischen Mitbürger aus Ostercappeln erinnern heute nur noch wenige Spuren, in Gänze verblasst sind sie aber nie: An der Windthorststraße steht eine Gedenktafel zu Ehren von Josef und Helene Meyer, auf dem Platz vor dem „Hof Caselato“ ist der Grundriss des damaligen Wohnhauses ins Pflaster eingelassen. Zwei Mahnmale, die Strahlkraft besitzen und zugleich einen angemessenen Ort zum Innehalten für einige Bürger aus Ostercappeln bilden, die sich aktiv gegen das Vergessen einsetzen.

Gedenkstunde am Alten Markt

Jene Bürger waren es auch, die am Dienstagnachmittag im Rahmen des Holocaust-Gedenktages, der weltweit am 27. Januar am Tag der Befreiung von Auschwitz begangen wird, eine Gedenkstunde initiiert haben. Eingeladen zu dieser gemeinsamen Mahnwache am Alten Markt hatte der Verein „Starkes Dorf“ gemeinsam mit Schülern der Ludwig-Windthorst-Schule in Ostercappeln und Mitgliedern des Spes-Viva-Chores. Ihre Botschaft: „Hinter jeder Zahl steht ein einzelner Mensch.“ Und jeder einzelne habe es verdient, dass sich die grausamen Taten der Nationalsozialisten kein zweites Mal wiederholen.

Mitgefühl ausdrücken

Rund 80 Bürger aus Ostercappeln und den umliegenden Gemeinden haben sich dem Anruf angeschlossen, der jüdischen Opferdes Holocausts aus Ostercappeln, aber auch der ermordeten Homosexuellen und Behinderten zu gedenken. Gemeinsam mit dem Spes-Viva-Chor, der die Gedenkstunde musikalisch begleitete, sangen sie, um ihr Mitgefühl auszudrücken und der Botschaft Nachdruck zu verleihen.

Wachsam gegen Fremdenhass

„Wir wollen die Erinnerung wecken und Wachsamkeit gegenüber Fremdenhass, Ausländerfeindlichkeit, Ausgrenzung und Unterstellung erzeugen“, sagte Ostercappelns Bürgermeister Rainer Ellermann. „Ohne die Akteure des ‚Starken Dorfes‘ würde der Tag der Befreiung vergehen, ohne an die Opfer der Unrechtsherrschaft zu denken.“

Lebensläufe aufbereitet

Dass diesen Opfern über sieben Jahrzehnten nach Kriegsende ein Gesicht gegeben wird, dafür haben Schüler der neunten Klasse der Ludwig-Windthorst-Schule gesorgt. Sie bereiteten die Lebensläufe von sieben Holocaust-Opfern aus Ostercappeln auf, wie Lehrerin Stéphanie Jeanne-Djekic erklärte. Ihre Gedanken haben sie schließlich bei der Mahnwache vorgestellt. Ein Satz blieb bei allen Beteiligten besonders hängen: „Alle starben, bloß weil sie Juden waren.“