Lange Tage in Ouagadougou Ostercappelner OP-Team fährt wieder nach Burkina Faso

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Ostercappeln/Belm. Zum dritten Mal startet ein Team aus Ärzten und Pflegern von Ostercappeln aus nach Burkina Faso. Ihre Ankunft wird dort von rund 70 Patienten erwartet, die dringend medizinische Hilfe benötigen.

Am 2. Februar geht der Flieger mit Zwischenstopp Paris nach Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Mit an Bord: ein fünfköpfiges OP-Team, bestehend aus Nicola Hoedemaker, Anästhesistin am Christlichen Klinikum Melle, Dr. Martin Gerdes, Chefarzt der Chirurgie am Krankenhaus Ostercappeln, sowie den OP-Pflegern Sina Liedtke, Damien Balima und Daniel Koppitz. Dem Team bereits per Schiff vorausgereist ist ein Container mit medizinischem Material, das für die anstehenden Operationen benötigt wird, und mit Inventar, das in Burkina bleiben wird – finanziert aus Spenden, bzw. von Krankenhäusern der Niels-Stensen-Kliniken überlassen. Darunter sind auch Dialysegeräte aus der nephrologischen Praxis am Franziskus-Hospital Harderberg, die demnächst in dem westafrikanischen Land eingesetzt werden, da es dort kein funktionierendes Gerät gibt, sowie Überwachungseinheiten für Blutdruck und Puls, die von den Niels-Stensen-Kliniken Bramsche stammen. Auch die Reise selbst wird von dem Krankenhausverbund unterstützt, der sich an den Kosten der Flugreise beteiligt und auch einen Teil der benötigten Urlaubstage übernimmt.

Träger Burkina Faso Initiative Belm

Träger des OP-Projektes ist aber die Burkina Faso Initiative Belm, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert und deren Akteure bereits seit den 1980er Jahren Bildungs- und Entwicklungshilfeprojekte in dem westafrikanischen Land unterstützen – und seit 2014. eben das OP-Projekt. Die Idee zum OP-Projekt wurde während einer Fortbildung geboren, an der seinerzeit Dr. Gerdes und der aus Burkina Faso stammende OP-Pfleger Damien Balima teilnahmen. „Damien wiederum stellte den Kontakt zu Dr. Gilbert Bounkoungou her, mit dem wir seitdem eng zusammenarbeiten, um Menschen zu operieren, die sich die OP finanziell nicht leisten können“, berichtet Dr. Gerdes. So auch im bevorstehenden Projekt. 120 Patienten hat Dr. Bounkoungou auf seiner Liste, über die er sich im Vorfeld mit seinem deutschen Kollegen abstimmt, denn vermutlich wird das Team in den zwei Wochen seines Aufenthaltes „nur“ rund 70 Operationen schaffen können.

Bittere Armut

Bei der Auswahl dürfte die Schwere des Falles ebenso ausschlaggebend sein, wie die Art der Erkrankung. So gehören zum typischen Behandlungsspektrum Operationen der Schilddrüse, des Bauchraumes, Knochen- oder Leistenbrüche. Auch Weiterbildungsmaßnahmen und Vorträge für die afrikanischen Kollegen stehen auf dem Programm. Es versprechen also lange Arbeitstage zu werden in Ouagadougou, was aber auch den besonderen Bedingungen vor Ort geschuldet ist. „Ein für acht Uhr angesetzter Arbeitsbeginn kann sich mitunter auch schon mal auf zehn Uhr verschieben“, weiß Dr. Gerdes aus der Erfahrung der zurückliegenden OP-Projekte. In Deutschland seien die Arbeitsabläufe durchgetaktet, was eher nicht der Mentalität der Menschen in Westafrika entspreche – wenn man denn von einer Mentalität sprechen kann. Dennoch: Übereinstimmend sagen jene, die Burkina Faso besucht haben, die Menschen dort seien, trotz ihrer bitteren Armut, weitaus positiver als die Menschen hierzulande. „Die Patienten dort sind sehr dankbar für die Behandlung. Das erleben wir in Deutschland oft ganz anders. Hier wird eine gute medizinische Behandlung vorausgesetzt, da geht es in der Beurteilung eher darum, ob die Küche gut und ob auch WLAN vorhanden ist“, berichtet Dr. Gerdes aus dem deutschen Krankenhausalltag.

Gefährliches Terrain?

Aber begibt sich die Gruppe bei ihrer Reise nicht auch auf gefährliches Terrain? Immerhin markierte ein terroristischer Anschlag, dem das OP-Team nur knapp entging, den letzten Tag seines Aufenthaltes im Januar 2016. „Es gibt auch Kollegen, die sich am Tag des Anschlages auf dem Berliner Weihnachtsmarkt in Berlin aufhielten“, entgegnet Dr. Gerdes und ergänzt, die terroristische Bedrohung beschränke sich schließlich nicht auf ein Land. Daniel Koppitz stimmt dem zu: „Ich selbst habe mich persönlich nie bedroht gefühlt. Gefährliche Bereiche werden wir meiden, da können wir uns hundertprozentig auf die Ortskenntnis unseres Kollegen Damien verlassen.“ – Auf der Facebook-Seite der Burkina Faso Initiative, die auch ohne Facebook-Account zugänglich ist, wird Koppitz regelmäßig von der bevorstehenden Reise berichten und auch wir werden unsere Leser mit seinen Berichten auf dem Laufenden halten.


Der Staat Burkina Faso hat rund 18 Millionen Einwohner. Hauptstadt ist Ouagadougou – mit rund einer Millionen Menschen die mit Abstand größte Stadt des Landes. Burkina Faso (bis 1984 Obervolta) wurde im Jahr 1960 unabhängig; zuvor gehörte es zum französischen Kolonialreich.

Im Land werden etwa 60 einheimische Sprachen gesprochen. Der Islam ist neben den traditionellen Glaubensvorstellungen die meistpraktizierte Religion. Rund 60 Prozent der Einwohner sind Muslime. Christen sind also nur eine Minderheit.

Das Land liegt in Westafrika und grenzt an Mali, Niger, Benin, Togo, Ghana sowie an die Elfenbeinküste.

Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Eines der größten Probleme sind die regelmäßig wiederkehrend

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