58. Prunksitzung des OKV Viele unvergessliche Momente in Schwagstorf

Von Andreas Brinkmann



Schwagstorf. Der Ostercappelner Karnevalsverein lud zur 58. Prunksitzung. Die Teilnehmer erlebten einen dreieinhalb Stunden langen Sitzungskarneval in Perfektion, der das Veranstaltungszentrum in Schwagstorf erbeben ließ. Es war wieder einmalig schön.

Gags nonstop mit Promis aus dem Fernsehen, die sich als Positiv-Verrückte auf der Bühne mit ihrer herrlichen Spielfreude munter tummelten, dann die einheimischen Akteure, bildhübsche Girls und fesche Kerls, der liebe Besuch der Stadtprinzessin aus Osnabrück (Gaby I.), die Blue Sky Band als ständiger Sidekick – das alles wurde perfekt zusammengehalten vom Sitzungspräsidenten, dem Vize-Chef des Ostercappelner Karnevalsvereins von 186 , Heinfried Hinrichsmeyer.

Lachen ist ja so gesund

So etwas wie ein Motto gab der amtierende Sitzungspräsident (Vereinschef Franz-Josef Achilles hatte die Erkältungswelle erwischt) gleich zu Beginn aus. Heinfried Hinrichsmeyer: „Das Lachen ist ja so gesund!“ Doch erst einmal waren die angenehmen Regularien vorzunehmen. Karnevalsprinz Harald II. sprach zu seinem närrischen Volk. Dieser Prinz ist sympathisch, allein schon deshalb, weil er sich selbst wunderbar auf die Schippe nehmen kann. „Ihr wisst, dass ich singen kann…. Laut und klar.“ Und nach einem Atemzug lang Pause: „Ich glaub‘, Ihr wollt’s nicht hörn!“ Aber dann durchaus ernsthaft: Er habe immer davon geträumt, mal Prinz sein zu dürfen. Diese Session sei wunderbar, „es ist so schön, als Karnevalsprinz vor Euch zu stehen!“

Pure Lebensfreude

Nach den lieben warmen Worten gab es stimmungsvolle Musik und was fürs Auge zu erleben. Die Junioren-Funkengarde stellte ihren Gardetanz vor – zu einem Schlager-Medley, das als Instrumental aus den Lautsprechern kam. Das Publikum klatschte lange Beifall, Hochrufe waren dabei und deutlich zu hören das imposante Urteil eines Zuschauers: „Hervooooragend!“ Und der Nebenmann: „Jau. Absolut.“ Pure Lebensfreude also, auf der Bühne, im Publikum – und auch die Männer vom Elferrat strahlten um die Wette.

Der Gebirgsjäger alias Peter Faßbender bestieg alsdann die „Bütt“. Absonderlichkeiten erlebt man in seinen Kreisen, davon wollte er auch das Publikum in Schwagstorf ausgiebig wissen lassen. Ob beim Fallschirmspringen, bei der Einweisung in die Kaserne oder im staatspolitischen Unterricht, Faßbender stand überall seinen Mann. Schlüpfrig wurd’s auch, da hatte er den Kurzurlaub auf dem Oktoberfest schon hinter sich, als er einem bayerischen Wiesn-Besucher die technischen „Feinheiten“ eines zunächst nicht streuenden Salzstreuers demonstrierte. Lehr von der Geschicht“: Zahnstocher sind nicht nur für die Zähne da.

Das Xylophon-Spiel erlernen

Wo wir schon bei den Comedians, den Büttenrednern, den Positiv-Verrückten sind: Dirk Scheffel mag ja einen kleinen „Hau in der Birne“ haben, aber fast mehr noch als mit dem gelegentlichen Klamauk (der natürlich auch recht prima ist), ließ Scheffel mit seinem Xylophon-Spiel das Auditorium sprach- und vor allem atemlos zurück. Am Ende war der Künstler auch selbst extrem erschöpft, erschöpft von so viel Begeisterung an seiner künstlerischen Klasse. „Ihr seid ja voll abgegangen, ey“, lobte der Tausendsassa seine Fans in der Karnevals-Arena. Spätestens an diesem Abend sind alle Besucher Anhänger von Dirk Scheffel geworden. Und Sitzungspräsident Heinfried Hinrichsmeyer sprach – in die nahe Zukunft blickend – davon, dass die Musikschule „sich jetzt nicht mehr wird retten können vor Leuten, die das Xylophon-Spiel erlernen wollen“.

Ein Meister seines Fachs

Jörg Jará sei der „gefragteste Bauchredner Deutschlands“ kündigte Heinfried Hinrichsmeyer wenig später an. Und im Nu war den Zuschauern klar warum. Der Puppen-Comedian aus Schleswig-Holstein ist ein absoluter Meister seines Fachs und war ja auch nicht allein nach Schwagstorf gekommen. „Herr Jensen“ ist einer seiner großen Stars, die schwer von sich selbst überzeugt sind und – kein Widerspruch – doch nur zu gut wissen, „nur“ eine Puppe zu sein. „Du hast einen Stock in meiner linken Hand und Du hast mich gemacht“, sagt Herr Jensen, was seinem Selbstbewusstsein aber eben nicht schadet. Als Running Gag fragt der ständig die Leute, „Wollste Nüsse?“ und nimmt kein Blatt vor den Mund, um einige Köpfe aus dem Publikum sich vorzunehmen und auch ein wenig bloßzustellen. „Och, die beiden Mädchen da vorn sehn auch von hinten so richtig schnuckelig aus!“ „Aber Herr Jensen!“ Mahnt sein zweites Ich.

Aus allen Blickwinkeln

Aus allen Blickwinkeln klasse aussehen, das galt auch für die Roten Funken. Die jungen Frauen begeisterten beim Gardetanz, Hurra-Rufe und Standing Ovations gab es später auch beim Showtanz. „Wild Wild West“ mit „West Virginia“ und „Spirit of the Hawk“ wurden fabelhaft auf die Bühne gebracht. Der Showtanz der Junioren-Funkengarde zuvor hatte Rocklegenden der Karnevalsgemeinde präsentiert. Mit AC/DC ging es auf den „Highway to Hell“, Queen „Will rock you“ und Status Quo war das Vorbild für die Hymne „Rocking all over the World“.

Mit Warnjacke und Besen

Kurz vor dem Finale das vorweggenommene Finale: Was wäre die OKV-Sitzung ohne ihr Männerballett? „Dancing in the Street“ war diesmal das Motto. Das vereinseigene Ensemble bestach mit erstklassigem Tanz, zum Programm gehörte bei einigen Einlagen auch reichlich Wagemut dazu, um das Geschehen so richtig abzurunden. Fünf Männer als Straßenkehrer mit Warnjacke und Besen, dann die zweiten Fünf als Rollator schiebende „Damen“ – genauso sexy…


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