Fake-News per Whatsapp Video: Windrad in Venne kippt durch Sturm angeblich um

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Venne. Am Tag nach Sturm Friederike verbreitet sich bei Whatsapp ein Video. Zu sehen ist ein Windrad, das angeblich in der Nähe des Venner Golfplatzes steht, beziehungsweise gestanden haben soll. Denn im Video kippt das Windrad einfach um.

Ein Feldweg, blätterlose Bäume, schummriges Licht und ein paar Wassertropfen auf der Linse – so beginnt ein Video, dass sich nach Sturm Friederike über Whatsapp verbreitet. Das eigentlich Brisante an der Aufnahme spielt sich im Hintergrund ab. Zu sehen ist ein Windrad, dass sich langsam zur rechten Seite neigt, und dann ganz umfällt. Mit einem lauten Knall geht es zu Boden.

Angeblich wurde das Video am Donnerstag aufgenommen, als Sturmtief Friederike in der Region für Verwüstungen sorgte. Der Drehort soll im Landkreis Osnabrück sein, genauer gesagt in Ostercappeln-Venne. Dort, am Pöhleweg, in der Nähe des Golfplatzes und unweit des Mittellandkanals, haben die Stadtwerke Osnabrück 2015 einen Windpark mit zwei Anlagen in Betrieb genommen. Und eine davon soll jetzt durch Friederike zerstört worden sein, suggeriert das Video.

Wieso ist nichts vom Sturm zu sehen?

Aber Zweifel sind angebracht: Außer den angesprochenen Regentropfen ist auf dem Video nichts vom Unwetter zu sehen. Die Bäume am Wegesrand stehen verdächtig ruhig dafür, dass angeblich nur wenige Meter weiter ein Windrad vom Sturm zu Boden gedrückt wird. Auch der laute Knall am Ende des Videos wirkt künstlich. Und wieso ist kein zweites Windrad zu sehen? In Venne stehen die beiden Anlagen nur wenige Meter auseinander.

Ein Besuch in Venne zeigt: Beide Windräder stehen auch am Tag nach Friederike noch an Ort und Stelle, und funktionieren einwandfrei. „Generell hat es bei all unseren Windenergieanlagen in Osnabrück am Piesberg, in Wallenhorst-Hollage, in Ostercappeln-Venne und in Rieste keinerlei Probleme durch den gestrigen Sturm gegeben“, erklärte Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer auf Nachfrage unserer Redaktion.

Der Blick ist ähnlich, aber die Unterschiede sind deutlich: In Venne stehen zwei Windräder direkt nebeneinander. Foto: Louisa Riepe

Grundsätzlich könne er „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen, dass neue, moderne Windenergieanlagen wie im Video gezeigt havarieren“, sprich vom Wind umgekippt werden. Auf Windgeschwindigkeiten, wie sie auf dem Festland auftreten können, seien die Anlagen baulich ausgelegt. In Venne seien allein die Fundamente je 18 Meter hoch und 1.600 Tonnen schwer. Außerdem werden „Windenergieanlagen bei größeren Windböen abgeschaltet und die Flügel in Fahnenstellung gebracht“, so Hörmeyer. Dadurch könne die Windlast, die auf die Räder wirkt, erheblich verringert werden.

Wo und wann entstand das Video?

Aber woher kommt das Video, wenn es offenbar nicht aus der Region stammt? Die Recherche bei Google ergibt, dass die Aufnahme bereits seit mehreren Jahren im Internet kursiert. Zum ersten Mal wurde sie offenbar im Mai 2014 von einem Nutzer namens Niklas Moormann bei Youtube hochgeladen. Sie könnte aber auch noch deutlich älter sein. Genauso schleierhaft bleibt, wo sie entstanden ist. Hörbar ist zumindest, dass der Kameramann wohl Deutscher war. Ansonsten lassen sich keine Hinweise auf die Herkunft finden.


Sicher ist nur: Die bei Whatsapp verbreitete Nachricht ist ein Fake. Das Video ist nicht in der Region Osnabrück aufgenommen worden. Und es ist deutlich älter, als dass es im Zusammenhang mit Sturmtief Friederike entstanden sein könnte. Möglicherweise handelt es sich gar nicht um eine Havarie, sondern um den kontrollierten Abriss eines Windrads. Dabei werden die Anlagen nämlich ähnlich spektakulär „gefällt“, wie dieser Beitrag des Bayrischen Rundfunks zeigt:


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