Ein Artikel der Redaktion

Diskussionsabende mit Bistumsvertretern Pfarreien wiederholen Einladung an Katholiken im Wittlager Land

Von Kerstin Balks | 27.08.2019, 19:15 Uhr

Bad Essen/Ostercappeln/Schwagstorf. Viele Menschen haben sich von der Kirche abgewendet. Nicht zuletzt durch die Missbrauchsfälle stellen viele Kirche und Klerus infrage. Auch den Zölibat, die fehlende Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche und eine überkommene Liturgie halten für viele zumindest für nicht zeitgemäß. Dieser Kritik und den Fragen, die die Menschen an die katholische Kirche haben, will sich diese vor Ort bei sogenannten Klartext-Abenden stellen.

Das Bistum Osnabrück lädt zum Gespräch. In Rulle, wo die dortige Kolpingfamilie Ende Mai Gastgeber eines Diskussionsabends mit Bistumsvertretern war, hatten sich seinerzeit 150 Gläubige – und womöglich auch Zweifelnde – eingefunden. In der Pfarreiengemeinschaft von Ostercappeln, Schwagstorf und Bad Essen, wo man Anfang September solche Abende durchführen möchte, scheint die Resonanz im Vorfeld bislang noch dürftig zu sein, denn Dem Aufruf der Pfarreiengemeinschaft, bereits im Vorfeld der Abende Fragen einzubringen, ein Aufruf, der auch in unserer Zeitung Ende Juni veröffentlicht wurde, ist bisher kaum nachgekommen worden.

Die Gemeindereferenten Julia Kühling und Rainer Gelhot, die im Team mit Vertretern der Pfarrgemeinderäte die Abende vorbereiten, bedauern das und laden nochmals ausdrücklich ein, schon im Vorfeld Fragen zu stellen und mit Kritik nicht hinter dem Berg zu halten. „Wir haben nichts zu verbergen und keine Scheu, auch unbequeme Fragen zu beantworten. Wir nehmen die Bistumsvision 'Gott und den Menschen nahe' sehr ernst und sind deshalb auch gerne bereit, zuzuhören und Antworten zu geben“, bekräftigt Julia Kühling.

Näher dran

„Es war uns wichtig, dass auch Vertreter des Bistums dabei sind“, betont Adele Hunfeld vom Ostercappelner Pfarrgemeinderat. Bei Fragen rund um das Thema Missbrauch könnten diese mehr dazu sagen, wie das Bistum dagegen vorgehe. Doch nicht nur aus diesem Grunde sei an jedem der drei Abende ein Vertreter des Bistums dabei. In Schwagstorf wird Bruno Krenzel, stellvertretender Leiter des Seelsorgeamtes und dessen Geschäftsführer das Bistum vertreten. In Ostercappeln steht Nicole Muke, die als Referentin im Bereich Gemeindeentwicklung und Gremienarbeit mit den Missbrauchsfällen befasst ist, Rede und Antwort. Für den Bad Essener Abend hat Generalvikar Theo Paul, Chef der Bistumsverwaltung und Vertreter des Bischofs, sein Kommen zugesagt. "Damit aber auch lokale Fragen gestellt und vor allem beantwortet werden, sind immer die Vertreter der Pfarrgemeinderäte und der Kirchenvorstände dabei", versichert Rainer Gelhot.

Pfarreiengemeinschaft und Bistum haben also einiges an Vorarbeit geleistet, "jetzt liegt es an den Menschen vor Ort, dass sie sich aufmachen und Fragen stellen", ist sich das Vorbereitungsteam einig. „Wer mag, kann auch gerne vorab Fragen per Mail senden. Wir gehen auf alles ein; ob es zu Veränderungen führt, hängt immer davon ab, was gewünscht wird", so die Anregung.

Gelegenheit wahrnehmen

"Wir können nur ermutigen, die Gelegenheit wahrzunehmen", sagt Rainer Gelhot und stellt klar: "Wir wollen keinen bequatschen und keinen rekrutieren, aber es interessiert uns zu erfahren, warum jemand nicht mehr zur Kirche kommt oder nicht mehr am Gemeindeleben teilnimmt, damit wir etwas ändern können. Vielleicht müssen wir unser Angebot ändern." Menschen würden sich viel von Kirche wünschen, aber Kirche, das seien eben auch die Menschen, die dabei mitmachen – und die könnten die Gesellschaft, in der sie leben, gestalten.

Hier noch einmal die genauen Termine und Veranstaltungsorte:

  • am Montag, 2. September, um 20 Uhr im Veranstaltungszentrum Schwagstorf; Gast ist Bruno Krenzel, Geschäftsführer und stellvertretender. Leiter des Seelsorgeamtes;
  • am Dienstag, 3. September, um 20 Uhr in der Mensa der Ludwig-Windthorst-Schule Ostercappeln; Gast ist Nicole Muke. Sie ist beim Bistum im Bereich Gemeindeentwicklung tätig und involviert in die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle;
  • am Mittwoch, 4. September, um 20 Uhr im Pfarrheim St. Marien, Bad Essen; Gast ist Generalvikar Theo Paul, der Leiter der Bistumsverwaltung und Vertreter des Bischofs.
Mehr Informationen:

Rund 3.600 Kirchenaustritte im Bistum Osnabrück

Wie Dom-Radio aus Köln im Juli mitteilte, sind 2018 3.600 Menschen im Bistum Osnabrück aus der katholischen Kirche ausgetreten. Das seien, den Zahlen des Bistums zufolge, etwa 800 mehr als im Jahr zuvor gewesen. Laut Statistik ist es die höchste Austrittszahl seit mehr als 20 Jahren. Insgesamt gibt es jetzt in der Diözese 552.990 Katholiken gegenüber 557.121 im Vorjahr.Die Gründe für die Austritte seien vielschichtig, auf jeden Fall aber habe der Missbrauchsskandal Spuren hinterlassen, sagte der Osnabrücker Generalvikar Theo Paul dem Dom-Radio. Zudem nehme die Bindung der Menschen zu Glaube und Kirche ab. Paul sprach von einer "institutionellen Erosion". Diese treffe aber auch andere gesellschaftliche Organisationen. In der Missbrauchsproblematik versuche das Bistum, durch "konsequente Aufarbeitung" und Prävention verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.