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Was bisher geschah Gezerre um Güterbahnhof und Ringlokschuppen Osnabrück

Von Sebastian Stricker

Seit Jahren liefern sich Stadt und Investoren ein trickreiches Gerangel um die Nutzung der Brache am alten Güterbahnhof – hier ein Luftbild von September 2011. Foto: Gert WestdörpSeit Jahren liefern sich Stadt und Investoren ein trickreiches Gerangel um die Nutzung der Brache am alten Güterbahnhof – hier ein Luftbild von September 2011. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Der ehemalige Güterbahnhof in Osnabrück gilt wegen seiner zentralen Lage als städtebauliches Filetstück. Doch neu errichtet wurde auf der 22 Hektar großen Fläche seit der Stilllegung 1997 nichts. Die Stadt und private Investoren liefern sich stattdessen ein trickreiches Gerangel um die künftige Nutzung.

1997: Die Deutsche Bahn gibt den 22,1 Hektar großen Güterbahnhof auf. Auf der Brache entwickelt sich eine rege Kulturszene .

September 2008: Ein Gutachten empfiehlt den Bau einer Multifunktionsarena auf dem Güterbahnhof. Dafür soll die Stadthalle abgerissen werden.

Mai 2009: Die Arena-Pläne werden aus Geldmangel beerdigt.

November 2010: Die Geschäftsleute Friedrich Schilling und Wolfgang Schreyer aus Bissendorf und Diepholz kaufen der Bahn-Tochter Aurelis für 2,7 Millionen Euro den Güterbahnhof ab. Die Stadt wird von dem Deal überrascht .

2011: Ein Streit über die Nutzung des Geländes entsteht. Die Schilling & Schreyer GmbH will erst Bau- und Möbelmärkte ansiedeln, dann einen Fotovoltaik-Park bauen. Die Stadt schiebt allen Vorhaben einen Riegel vor. Oberwasser bekommen die Eigner erst, als die Arena-Debatte neu aufkocht und die Stadt sich auf den Güterbahnhof als Standort festlegt. Außerdem braucht sie Teilflächen des Geländes für den Neubau der Eisenbahnbrücke an der Hamburger Straße, für Parkplätze und für einen Osteingang zum Hauptbahnhof.

2. Dezember 2011: Schilling und Schreyer bieten der Stadt den Güterbahnhof für sieben Millionen Euro zum Kauf an.

5. Dezember 2011: Oberbürgermeister Pistorius teilt den Eignern das Ende aller Gespräche mit.

31. Mai 2012: Als neue Kaufinteressenten auf den Plan treten, reagiert die Stadt und sichert ein Vorkaufsrecht für Teile des Güterbahnhofs. Vielen Ratsmitgliedern kommt dieser Schritt zu spät.

November 2012: Das Vorkaufsrecht nützt nichts, als die Zion GmbH aus Georgsmarienhütte die Firma Schilling & Schreyer übernimmt. Der Güterbahnhof bekommt damit neue Eigentümer aus dem Umfeld der freikirchlichen Gemeinde „Lebensquelle“ . Sie wollen die Flächen im Einvernehmen mit der Stadt als Gewerbegebiet entwickeln. Die „Lebensquelle“ kauft die frühere Güterabfertigung, um dort ein religiöses Zentrum einzurichten.

15. April 2013: Der Osnabrücker Discobetreiber Frederik Heede kauft über seine Alando Grundbesitz- und Entwicklungs-GmbH der Zion für zwei Millionen Euro ein 26.216 Quadratmeter großes Grundstück rund um den alten Ringlokschuppen ab.

22. April 2013: Der Kaufvertrag zwischen Heede und Zion geht bei der Stadt Osnabrück ein. Damit läuft die Zweimonatsfrist für die Entscheidung der Stadt über ein Vorkaufsrecht.

13. Mai 2013: Zion-Geschäftsführer Ralf Gervelmeyer gerät wegen öffentlicher schwulenfeindlicher Äußerungen in die Kritik und mit ihm die „Lebensquelle“. In Politik und Gesellschaft formiert sich Widerstand.

17. Juni 2013: In einer außerordentlichen Sitzung vier Tage vor Fristablauf beschließt der Rat mehrheitlich, das Vorkaufsrecht auszuüben und für Alando-Chef Heede in den Kaufvertrag mit Zion einzutreten. Damit soll der Ringlokschuppen in den Besitz der Stadt übergehen, doch Heede wehrt sich juristisch.

20. August 2013: Im Wahlkampf macht Oberbürgermeister-Kandidat Robert Seidler (FDP) den Güterbahnhof zum Thema. Er stellt sich einen „ Ringlok-Park “ mit Inlineskater-Bahn und Schlittschuhwiesen vor. Der Ringlokschuppen soll zur Freilichtbühne werden. In der Folge beansprucht eine Hochschulabsolventin die Urheberschaft für diese Ideen. Der Streit wird außergerichtlich beigelegt .

29. September 2013: Die Designmesse „DeMO“ lockt Tausende Besucher zum Ringlokschuppen. Ärger kommt auf, als Zion-Chef Gervelmeyer den Ausstellern den Weg versperrt , indem er das Tor zum Güterbahnhof zuschließt.

20. November 2013: Stadt und Wirtschaftsförderung veranstalten im Ringlokschuppen einen Workshop , in dem Ideen für eine künftige Nutzung des Denkmals entwickelt werden sollen.

Juli 2014: Stadt und Alando-Betreiber Frederik Heede schließen einen Kompromiss : Heede zieht die Anfechtungsklage gegen das vom Rat geltend gemachte Vorkaufsrecht für Ringlokschuppen plus Außenflächen zurück. Im Gegenzug kommt die Stadt Heedes Plänen für eine Alando-Erweiterung samt Hotel-Neubau entgegen.

10. Juli 2014: Die Stadt erwägt den Bau eines Busterminals auf dem Güterbahnhof, direkt neben dem Ringlokschuppen. Kostenschätzung: 600.000 Euro.