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Zwei Jahre Fahren im Verband Zwei Jahre Critical Mass in Osnabrück: Was ist sie, was will sie?

Von Jörg Sanders | 25.09.2015, 08:08 Uhr

An diesem Freitag macht sich die sogenannte Critical Mass erneut auf den Weg durch die Stadt – und feiert ihr Zweijähriges. Was ist sie, was will sie?

Diesen Freitag beanspruchen die Teilnehmer der kritischen Masse wieder mehr Platz auf Osnabrücks Straßen für sich – wie jeden letzten Freitag im Monat. Seit September 2013 fährt sie regelmäßig durch die Hasestadt, wobei es vor sechs Jahre die erste Critical Mass in Osnabrück gab. Im vergangenen August nahmen rund 60 Radler teil, im Juni sollen es mehr als 100 gewesen sein.

Was ist die Critical Mass?

Das Motto der Critical Mass lautet: „Wir blockieren nicht den Verkehr, wir SIND Verkehr!“ Die Critical Mass will mit ihren monatlichen Rundfahrten auf die Rechte und Belange der Radfahrer aufmerksam machen. Während die erste Critical Mass 1992 in San Francisco stattfand, gibt es sie derweil in vielen Städten weltweit, auch in Deutschland. In manchen Städten fahren mehrere Tausend oder gar Zehntausend Teilnehmer mit.

Auf ihren Rundfahrten fahren die Radler in Verbänden. Das bedeutet: Autofahrer müssen gegebenenfalls hinterherfahren. Die Straßenverkehrsordnung ist in diesem Punkt auf der Seite der Radfahrer, sofern diese genug sind. Denn mehr als 15 Radfahrer dürfen einen geschlossenen Verband bilden. Im Verband dürfen die Radfahrer zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren. Selbst rote Ampeln dürfen sie überqueren, sofern der erste Teilnehmer noch Grün sah.

Demo oder Radtour?

Rechtlich gehen die Expertenmeinungen auseinander, ob es sich bei der Critical Mass um eine normale Radtour handelt oder um eine genehmigungspflichtige Versammlung. Da die Radfahrer ein Motto verträten, sehen manche Experten die Radler als Demonstration. Polizei und Stadt lassen die Radfahrer inzwischen aber ungehindert fahren und werten die Critical Mass entsprechend nicht als Demonstration. Andernfalls müssten die anonymen Initiatoren jede Rundfahrt 48 Stunden zuvor bei der Stadt anmelden. Weiterlesen: Critical Mass – Radfahren in der rechtlichen Grauzone 

Die Anfänge in Osnabrück

Im September 2013 fand die erste Critical Mass in Osnabrück statt. Schon kurz darauf, im Oktober 2013, gab es noch Ärger mit der Polizei, die die Radfahrergruppe als Demonstration gewertet hatte. Als Begründung führte die Polizei den hohen Organisationsgrad und eine kollektive Meinungsäußerung an. Zwar suchten die Beamten den Dialog mit den Radfahrern – fahren lassen wollte sie sie aber nicht ohne die Benennung eines Verantwortlichen. Letztlich durften die Radler doch durch Osnabrück fahren – allerdings nur mit Polizeigeleit und aus „Kulanz“, wie es hieß. Bei den nächsten Rundfahrten ließ die Polizei die Radfahrer unbehelligt ziehen oder fuhr selbst auf dem Rad mit. Im Januar 2014 spendierte die Polizei den Radfahrer sogar Kaffee.