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Zimmer über Airbnb vermieten Osnabrück wird zum Hotel

Von Sven Kienscherf | 02.07.2014, 18:07 Uhr

Zimmer in der eigenen Wohnung an Fremde vermieten? Daran finden immer mehr Osnabrücker Gefallen. Über diverse Online-Plattformen bieten sie Unterkünfte an. Zum Beispiel über Airbnb kann man Zimmer vermieten. In Osnabrück gibt es nach Angaben des Unternehmens bereits über 100 Angebote für Übernachtungen. Die meisten Räume sind wesentlich billiger als eine vergleichbare Unterkunft im Hotel.

Die Osnabrückerin Annette Doornbos ist seit 2011 als Vermieterin auf der Plattform angemeldet. Zwei Zimmer vermietet die Lehrerin der Freiherr-vom-Stein-Schule gelegentlich an Menschen von außerhalb, die für ein paar Tage oder auch Wochen eine Unterkunft in der Hasestadt suchen. Die Räume sind 16 und 20 Quadratmeter groß, aufgeräumt, gemütlich, zweckmäßig. Eine Übernachtung kostet 20 beziehungsweise 25 Euro. Davon muss Doornbos drei Prozent an Airbnb abgeben. Vom Mieter kassiert die Plattform auch noch mal eine Service-Gebühr zwischen sechs und zwölf Prozent.

„Ich nehme keine Gäste, die nur eine Nacht bleiben“, sagt Doornbos. Die zusätzlichen Einnahmen durch die Zimmervermietung muss die 53-Jährige beim Finanzamt angeben und versteuern. „Das ist mir bei Einzelübernachtungen zu aufwendig.“ Die Gäste von Dornboos bleiben daher länger. Es sind Menschen, die einen neuen Job angefangen und noch keine eigene Wohnung gefunden haben. Es sind Pendler, es sind Leute, die eine Weiterbildung machen. Und es sind auch Menschen wie ein Australier, der 2013 nach Osnabrück kam, um über seinen Großvater zu forschen, berichtet Doornbos. „Er hat sich hier über den Ersten Weltkrieg informiert.“ Ein Gast blieb sogar über drei Monate.

Doornbos sucht sich ihre Gäste aus

„Das Gute ist, dass man sich seine Gäste aussuchen kann“, sagt Doornbos. Bevor sie jemandem zusagt, schreibt sie sich mit dem potenziellen Mieter ein paar Mails. „Es muss vom Gefühl her passen.“ Schlechte Erfahrungen habe sie noch nie gemacht. Die Gäste haben ein eigenes Bad, die Küche können sie nach Absprache mitbenutzen. „Von einigen bekommt man gar nicht viel mit. Sie essen in der Regel außerhalb und kommen in erster Linie zum Schlafen her.“ Mit anderen hat sich die 53-Jährige angefreundet. „Meine erste Mieterin gehört jetzt mit zu meinem Freundeskreis.“

Doornbos könnte ihre Zimmer noch weitaus öfters vermieten. „Die meisten Anfragen lehne ich aber ab. Mir geht es nicht unbedingt um das Geld.“ Sie findet es spannend, neue Leute kennenzulernen. Seit ihre beiden Töchter aus dem Haus sind, hat sie genügend Platz und die Zimmer übrig.

An Auflagen halten

Beim hiesigen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga)betrachtet man das Airbnb-Angebot nicht als Konkurrenz. „Damit haben wir überhaupt kein Problem“, sagt Dieter Westerkamp, Geschäftsführer Dehoga Osnabrück/Emsland/Grafschaft Bentheim. „Die privaten Zimmervermietungen sprechen ein ganz anderes Klientel an als Hotels, die mehr Komfort und Service anbieten.“ Westerkamp sieht es so: „Durch solche Angebote werden zusätzliche Gäste ins Osnabrücker Land gezogen, die dann in den Restaurants Umsatz generieren.“

Christopher Peter, stellvertretender Pressesprecher beim Dehoga-Bundesverband, sieht es kritischer. In Großstädten wie Berlin sei es nicht ungewöhnlich, dass ein Vermieter seine komplette Wohnung nicht mehr an normale Mieter vermiete, sondern wegen des höheren Gewinns über eine Plattform tage- oder wochenweise bereitstelle. „Dadurch wird den Städten Wohnraum entzogen und die Mieten steigen.“

Einfach ins Hotel

Wenn Anna Doornbos reist, mietet sie nicht unbedingt über Plattformen wie Airbnb , Wimdu oder 9flats . Stattdessen organisiert sie sich Zimmer über Couchsurfing . Dort werden ebenfalls Unterkünfte angeboten, allerdings bekommt der Anbieter dafür keine Miete von seinem Gast . „Das ist genau das Richtige für mich, da lernt man jede Menge interessante Leute kennen, und es sind schon viele Freundschaften dadurch entstanden.“ Manchmal wolle sie auf Reisen aber auch schlicht ihre Ruhe, sagt Doornbos: „Dann gehe ich einfach in ein Hotel.“