Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Zahlenspiele im Sozialausschuss Sozialticket kann teuer werden

Von Ulrike Schmidt | 01.09.2011, 16:44 Uhr

Mehr als 2 Millionen Euro Kosten, dazu 150000 Euro für zusätzlichen Verwaltungsaufwand. Diese und andere Zahlen wurden dem Sozialausschuss präsentiert. Thema war ein mögliches Sozialticket für einkommensschwache Osnabrücker.

Ein entsprechender Antrag der Grünen war im Juni vom Rat an den Sozialausschuss verwiesen worden. Ziel des Vorstoßes ist es, die Mobilität dieses Personenkreises zu vergrößern, dem öffentlichen Personennahverkehr neue Kunden zu erschließend und die Busse tagsüber besser auszulasten.

In der Kürze der Zeit habe die Verwaltung lediglich eine Internetrecherche über Sozialtickets in anderen Städten leisten können, erläuterte Fachbereichsleiter Udo Kunze. Nach seiner Ansicht sind die Leistungen für Mobilität durch den Regelsatz mit 20,54 Euro monatlich abgedeckt. Eine freiwillige Leistung passe nicht zur Haushaltskonsolidierung. Konkrete Zahlen könne er nicht vorlegen, weil der Auftrag zu allgemein gehalten sei.

Dafür jonglierte Dr. Stephan Rolfes, Vorstand Verkehr der Osnabrücker Stadtwerke, in seinen Ausführungen mit vielfältigen Berechnungen. Und er schickte voraus, dass die Kosten für Sozialtickets immer von den Kommunen und nicht von den jeweiligen Verkehrsbetrieben getragen würden. Die Kollegen in Münster, wo es bei Vorlage des Münster-Passes 50 Prozent Rabatt auf bestimmte Fahrkarten gibt, hätten auf Rückfrage speziell bei Abos auf ein „Inkasso-Problem“ hingewiesen. Allein zwei Stellen seien dafür erforderlich. Kosten: rund 150000 Euro.

Die Stadtwerke könnten der Stadt ein vergünstigtes Angebot ähnlich dem Firmen-Abo machen, bot Rolfes an. Nach Kunzes Schätzungen wären etwa 10000 erwachsene Inhaber eines Osnabrück-Passes bezugsberechtigt: 10000 mal 12 Monate mal fiktive Kosten von 18 Euro ergeben fast 2,2 Millionen Euro, rechnete er vor.

Kosten, die auch die Befürworter eines Sozialtickets für so hoch erachteten. Gleichwohl baten speziell Vertreter von SPD und Grünen, auch andere Möglichkeiten eines Sozialtickets zu erwägen. So sei zum Beispiel ein Jahresabo nicht erforderlich, weil viele Menschen in der wärmeren Jahreshälfte mit dem Rad unterwegs seien.

Stephan Rolfes sagte schließlich zwei Modellrechnungen zu: eine für eine vergünstigte Vierer-Karte und eine für eine Monatskarte. Die Ergebnisse sollen in der nächsten Sozialausschusssitzung vorgelegt werden – der ersten nach der Wahl und mit neuer Zusammensetzung.