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Wohnung des Bruders verqualmt Verstopfte Osnabrücker ein Ofenrohr bewusst mit Papier?

Von Ulrich Eckseler, Ulrich Eckseler | 22.02.2017, 16:05 Uhr

Wegen versuchter Körperverletzung muss sich derzeit ein 48-jähriger Mann in einem Berufungsverfahren vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Er soll ein Kaminrohr mit Werbeprospekten verstopft haben, um seinen Bruder und dessen Familie durch die Rauchentwicklung zu schädigen.

Der Angeklagte ist gemeinsam mit seinem Bruder Eigentümer eines Hauses im Stadtteil Sutthausen. Dort bewohnt der 48-Jährige die obere Etage, das mutmaßliche Opfer lebt mit seiner Familie im unteren Bereich. Laut einem Urteil des Amtsgerichts Osnabrück spielte sich der Vorfall folgendermaßen ab: Zwischen dem 25. und dem 27. September 2015 verstopfte der Angeklagte das Lüftungsrohr, das zu einem Kachelofen im Wohnzimmer des Bruders führt, immer weiter mit Werbeprospekten. Am Morgen des 27. Septembers kam es nach dem Anzünden des Ofens in der unteren Wohnung zu einer Rauchentwicklung. Der Bruder musste in den verqualmten Raum gehen, um den Anzünder mit einer Zange aus dem Ofen zu holen und ihn in den Garten zu bringen.

Vorrangiges Ziel des Angeklagten sei zwar nicht die Schädigung seines Bruder, seiner Schwägerin oder seines Kindes gewesen, der 48-Jährige habe die Körperverletzung aber zumindest billigend in Kauf genommen, urteilte das Amtsgericht und verurteilte den Mann im vergangenen Jahr zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Angeklagter stand unter Bewährung

Zwar habe der Mann bei Tatbegehung wegen Diebstahls und Besitzes von Betäubungsmitteln unter Bewährung gestanden, das aktuelle Vergehen sei aber von „anderer Qualität“ als die vorigen Taten gewesen, zitierte der Richter die Begründung dafür, dass dem Angeklagten vom Amtsgericht erneut eine Bewährungschance eingeräumt wurde.

Bei seiner Vernehmung bestritt der 48-Jährige nun, die Tat begangen zu haben. „Ich war an dem Wochenende gar nicht da“, unterstrich er. Das Rohr hätte zudem auch jeder andere verstopfen können. „Möglichkeiten, auf das Dach zu kommen, gibt es da eine Menge“, so der 48-Jährige. So habe im Garten eine Leiter gestanden. Sein Bruder habe ihn auch nie auf den Vorfall angesprochen. Zwar herrschten zwischen den beiden seit Jahren Streitigkeiten, er habe aber kein Interesse, seinem Bruder und dessen Familie zu schaden.

Rohr auch von außen erreichbar

Ein 62-jähriger Polizeibeamter, der bei dem Einsatz zuständig war, bestätigte im Zeugenstand, dass „man wahrscheinlich auch von außen auf das Dach gekommen“ wäre, fügte aber an, dass man „das Rohr auch von der oberen Wohnung hätte erreichen“ können.

Der eigentlich ebenfalls als Zeuge geladene Bruder des Angeklagten blieb der Verhandlung fern. Da er auch telefonisch nicht erreichbar war, wurde ein Fortsetzungstermin anberaumt, an dem der Mann dann polizeilich vorgeführt werden soll. „Ich würde mich schwertun, ohne den Zeugen etwas zu entscheiden“, sagte der Richter zur Begründung. Die Staatsanwaltschaft behielt sich zudem vor, ein Ordnungsgeld gegen den säumigen Zeugen zu beantragen.