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Wie war das Weihnachtsgeschäft? Osnabrücker Einzelhandel bügelt die Neumarkt-Sperre aus

Von Wilfried Hinrichs | 13.01.2015, 17:00 Uhr

Die Sperrung des Neumarktes hat negative Folgen für den Einzelhandel im Weihnachtsgeschäft gehabt, aber nicht in dem befürchteten Ausmaß. Der Handel habe durch deutlich mehr Werbung, besondere Aktionen und Preisreduzierungen gegengesteuert und das Umsatzniveau halten können, sagt Katja Calic, Leiterin der Geschäftsstelle des Handelsverbandes Osnabrück-Emsland im Interview. Aber die Luft wird dünner für den Handel.

Frau Calic, der Osnabrücker Einzelhandel hatte sich Sorgen gemacht, dass die Sperrung des Neumarktes für den Individualverkehr das Weihnachtsgeschäft negativ beeinflussen könnte. Haben sich diese Sorgen bestätigt?

Ja und nein. Der Handel ist im Weihnachtsgeschäft mit einem „blauen Auge“ davongekommen. Die Kunden kennen die Baustellensituation seit Sommer und sind im Vorfeld auch über den Zustand gut informiert worden. Dennoch wirken sich Baustellen immer negativ auf die Kundenfrequenz und damit auch auf Umsätze aus. Dies hat sich in der Vergangenheit zum Beispiel in der Lotter Straße oder der Hasestraße gezeigt. Zum Glück sind viele Kunden im Weihnachtsgeschäft aber bereit, Verkehrsstörungen eher in Kauf zu nehmen als zu anderen Zeiten. Diese Bereitschaft nimmt aber ab, wenn sich Alternativen bieten, der Kunde also problemlos die Ware woanders kaufen kann. Vergessen werden darf daher nicht die Zeit vor dem Weihnachtsgeschäft bis einschließlich November, in der die Frequenz und die Umsätze spürbar und überdurchschnittlich zurückgegangen sind. Im Weihnachtsgeschäft selber werden die Frequenzrückgänge zum Beispiel durch den Weihnachtsmarkt, verlängerte Öffnungszeiten und Verkaufsaktionen der Händler kompensiert worden sein. Dies muss analysiert werden, denn solche Sondereffekte sind eine Ausnahme.

Parkhäuser besser ausgelastet

Nach Angaben der OPG lag die Auslastung der Parkhäuser – ohne Kamp, L+T und Galeria – im Dezember 2014 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,5 Prozent höher. Das lässt darauf schließen, dass die Baustellen-Diskussion der Attraktivität der Innenstadt nicht geschadet hat, oder?

Angesichts der Tatsache, dass das Weihnachtsgeschäft 2014 nicht bereits wie in den Vorjahren Anfang oder spätestens Mitte November begonnen hat, sondern sich ausschließlich im Dezember geballt hat, relativiert sich diese Aussage. Außerdem gab es einen Verkaufstag mehr im Weihnachtsgeschäft im Vergleich zum Vorjahr, sodass dadurch allein die Auslastung der Parkhäuser schon deutlich über dem Vorjahresniveau liegen muss. Nicht auszuschließen ist außerdem, dass die erhöhte Auslastung zum Beispiel durch Verdrängung aus den genannten Parkhäusern entstanden ist. In den fünf Monaten bis November haben einige Innenstadtparkhäuser deutliche Auslastungseinbußen verzeichnet. Daher muss nun die Parkhausauslastung nach dem Weihnachtsgeschäft beobachtet und analysiert werden. Zusätzliche Auskünfte über Kundenströme gibt ja nun auch die Passantenfrequenzzählanlage.

Wie ist das Weihnachtsgeschäft in Osnabrück gelaufen? Können Sie etwas über Umsatzzahlen im Vergleich zu den Vorjahren sagen?

Exakte Zahlen liegen Anfang Januar noch nicht vor. Die meisten Einzelhändler haben im Weihnachtsgeschäft ein Umsatzpari zum Vorjahr erreichen, einige sogar ein geringes Umsatzplus erwirtschaftet. Das war in diesem Weihnachtsgeschäft allerdings nur mit deutlich erhöhten Aufwendungen für die Betriebe möglich. Die Betriebe mussten im Vergleich zu den Vorjahren erheblich mehr in Werbung investieren und die Kunden zu besonderen Aktionen und Events einladen. Außerdem haben die Händler schon vor dem Weihnachtsgeschäft mit Reduzierungen gearbeitet, um die Kunden in die Innenstadt zu locken. Dies hat die Verbraucher natürlich gefreut, ist aber betriebswirtschaftlich gesehen bei den geringen Margen im Handel eine Katastrophe. Die Umsätze im Handel sind seit einigen Jahren fast auf dem gleichen Niveau geblieben. Höhere Betriebskosten, wie zum Beispiel Energiekosten, Personalkosten, Mieten, Werbung und so weiter fressen also den geringen Mehrumsatz wieder auf.

Zu warm für Winterkleidung

Welche Branchen haben zugelegt, wo gibt es Probleme?

Der milde Winter und die warmen Temperaturen waren für den Textilhandel und die Schuhbranche in dieser Saison nicht einfach. Bislang positiv entwickelt haben sich die Branchen Kosmetik und Drogerie.

Wie hat sich der Onlinehandel ausgewirkt?

Der Onlinehandel wird voraussichtlich auch in diesem Jahr wieder überproportional im Weihnachtsgeschäft zulegen, aktuelle Zahlen liegen uns derzeit aber noch nicht vor. Unsere Organisation hat ein Plus von fast 18 Prozent im Weihnachtsgeschäft prognostiziert, allerdings muss dabei auch berücksichtigt werden, dass der Onlinehandel nur neun Prozent vom Gesamtumsatz im Handel ausmacht. Viele Händler betreiben auch selber schon Internetshops oder verkaufen ihre Waren beispielsweise über Amazon. Der stationäre Handel profitiert inzwischen auch von Käufen, die nach vorheriger Information im Internet dann doch im Geschäft vor Ort erfolgen.

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