Ein Artikel der Redaktion

Wie viel Alkohol ist normal? Osnabrück: Fortsetzung im Prozess um toten Litauer

Von Dietmar Kröger | 07.07.2014, 19:50 Uhr

Wie viel Geld hat der Tote bei sich gehabt? Welche Mengen Alkohol wurden insbesondere vom Angeklagten konsumiert? Wie war die Stimmung in der Unterkunft in Eversburg, in der Angeklagter und Opfer wohnten? Welchen Eindruck machte der Angeklagte auf die Zeugen?

 Die Große Strafkammer am Landgericht versucht mithilfe von Zeugen sich der Person des 47 Jahre alten Litauers zu nähern, der im Verdacht steht, im Dezember vergangenen Jahres einen 45-jährigen Landsmann getötet zu haben. Die Kammer wird diesen mühseligen Weg weitergehen müssen, denn bis auf einige wenige Angaben zu seinem Lebenslauf hat sich der Angeklagte bislang nicht zu den Vorkommnissen geäußert.

Alkohol: Nahezu jeder Zeuge musste bislang seine Einschätzung zum Alkoholkonsum in der Unterkunftabgeben, in der zeitweise vier Männer gleichzeitig untergebracht waren. Eines der dabei am häufigsten gebrauchten Worte war das kleine Wörtchen „normal“. Aber was ist schon normal? Da hängen die Messlatten durchaus in verschiedenen Höhen. Für die einen ist da eine Flasche Wodka pro Person noch im völlig im Rahmen, während andere bei dieser Menge vor allem in Kombination mit dem einen oder anderen Bier die Grenze für überschritten halten. Im Tenor attestierten die Zeugen dem Angeklagten zumindest, dass er nie wegen Alkohol einen Kontrollverlust erlitten habe. Allerdings gab ein Zeuge zu Protokoll, der Angeklagte habe auch tagsüber Alkohol getrunken.

Persönlichkeit: Ruhig, freundlich, hilfsbereit – so lautete die Mehrzahl der Charakterisierungen des Angeklagten durch jene Zeugen, die ihn mehr oder weniger gut kannten. Bis auf kleinere Dispute, wie zum Beispiel um die Ordnung in der gemeinsamen Wohnung, habe es keine Auseinandersetzungen in der Unterkunft gegeben.

Geld: Eine ungeklärte Frage ist nach wie vor der Verbleib des Geldes, das das Opfer bei sich gehabt haben soll. Der Gesamtbetrag soll sich laut Zeugenaussagen zwischen 3000 und 5000 Euro bewegt haben, mit denen der Litauer unter anderem Autos kaufen wollte, um sie in der Heimat weiterzuverkaufen. Das Geld habe er immer bei sich gehabt. Gefunden wurde davon bislang nichts.