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Werksgelände vor dem Verkauf Hochschule Osnabrück verzichtet auf Coca-Cola-Gelände

Von Sebastian Stricker | 27.06.2016, 17:53 Uhr

Knapp ein Jahr nach Schließung des Coca-Cola-Standorts Osnabrück wechselt das Werksgelände in Haste offenbar den Besitzer. Der Kaufvertrag sei unterschriftsreif, sagt ein Unternehmenssprecher. Doch wer ist der Investor?

Die Hochschule Osnabrück als größter Nachbar jedenfalls nicht. Zwar galt sie bislang als Wunschpartner der Stadt, um das seit Herbst 2015 brachliegende Grundstück an der Oldenburger Straße 2 in Richtung Wirtschaft und Wohnen zu entwickeln. Doch die FH interessiert sich offenbar nur für einen kleinen Zipfel des 16.500-Quadratmeter-Areals.

Zufahrt zum Campus Haste verbessern

„Uns würden 300 Quadratmeter reichen, um die Zufahrtssituation zum Campus Haste zu verbessern“, erklärt Hochschulsprecher Ralf Garten. Bedingung sei, dass das benötigte Teilstück zum Verkauf steht. Darüber werde man mit dem neuen Eigentümer reden, sobald dieser bekannt sei. „Mit Coca-Cola haben wir über das Grundstück nie verhandelt.“

Am Campus Haste befindet sich die „grüne“ Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur mit rund 2700 Studenten. Sie unterhält dort knapp zwei Dutzend Gebäude – darunter Hörsäle, Labors und Gewächshäuser, außerdem Versuchsflächen und einen Staudengarten. Auch der zugehörige Versuchsbetrieb Wabe-Zentrum in Wallenhorst ist nur zwei Kilometer entfernt.

Käufer aus Brasilien springt ab

Doch wer macht sich nun auf dem früheren Heydt-Gelände breit, wenn nicht die Hochschule Osnabrück? „Darüber geben wir vor Abschluss des Kaufvertrages keine weiteren Auskünfte“, teilt Coca-Cola auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Nur so viel lässt sich der Sprecher entlocken: Der Eigentümerwechsel gehe mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze einher. Zur Erinnerung: Durch die Schließung der Osnabrücker Limonadenfabrik, in der seit 1958 die berühmte braune Brause abgefüllt worden war, hatten über 100 Menschen ihren Job verloren.

Für Coca-Cola ist es bereits der zweite Versuch, die Liegenschaft in Haste zu veräußern. Nach Informationen unserer Redaktion hatte zunächst ein Investor aus Brasilien ein Auge darauf geworfen, war dann aber verstimmt abgesprungen. Angeblich, weil sich Pläne von Dritten für eigene Provisorien kurzfristig in Luft auflösten und damit wohl sicher geglaubte Mieter von der Fahne gingen.

Flüchtlingsunterkunft in spe

Konkret soll die Hochschule Osnabrück mit einer „großflächigen Zwischennutzung der Gebäude“ geliebäugelt haben, ehe sie ihren Flächenbedarf „völlig überraschend“ auf 300 Quadratmeter verringert habe, heißt es aus dem Rathaus. Bei Coca-Cola klingt das so: „Die FH ist aus den Planungen ausgestiegen.“ Hochschulsprecher Garten wiederum bestreitet, die südliche Campus-Erweiterung sei jemals eine ernsthafte Option gewesen: „Wir haben nie offiziell Bedarf am Coca-Cola-Gelände angemeldet.“ Von plötzlicher Kehrtwende könne folglich keine Rede sein.

Auf der anderen Seite soll die Stadt Osnabrück gegenüber dem brasilianischen Kaufinteressenten erwogen haben, auf dem Grundstück Flüchtlinge unterzubringen. Wegen des nachlassenden Zustroms habe sich das aber erübrigt. Stadtbaurat Frank Otte bestätigt auf Nachfrage entsprechende Überlegungen der Verwaltung und stellt fest: „Im Augenblick haben wir bei der Flüchtlingsunterbringung nicht den großen Druck.“

Logistikriese Nosta verprellt

Allerdings wolle das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) auf dem ehemaligen Werkshof Büros anmieten, so Otte weiter. Was die langfristige städtebauliche Entwicklung des Bereichs betrifft, habe die Stadt alle formalen Vorkehrungen getroffen, um ihren Einfluss kraft Bebauungsplan geltend zu machen. „Es kann nichts passieren, ohne dass wir involviert sind.“

Als einer der Ersten hat das anscheinend die Osnabrücker Transportfirma Nosta zu spüren bekommen. Ihren Plänen, das Coca-Cola-Gelände dauerhaft als Papierlager zu nutzen, schob die Stadt einen Riegel vor. „Wir haben keine unbegrenzte Betriebsgenehmigung bekommen“, sagt Rüdiger Tepe, Geschäftsführer der Nosta Rail GmbH. Statt am Hauptsitz zu expandieren, wolle der Logistikriese nun seine Niederlassung in Ladbergen ausbauen.