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Wegen Mängeln ausgemustert Stadtwerke Osnabrück verschenken Mini-Elektrobus

Von Sebastian Stricker | 22.03.2017, 14:55 Uhr

2010 für viel Geld gekauft, sechs Jahre später verschenkt: Die Stadtwerke Osnabrück haben ihren kleinen Elektrobus wegen chronisch schlapper Batterien ausgemustert und einer Hochschule in NRW gespendet. Damit endet ein bundesweit einzigartiges Experiment. Erfolgreich, wie der Verkehrsbetrieb meint.

Der Breda Menarinibus M200 E-Zeus – ein sechs Meter kurzes Fahrzeug italienischer Bauart mit Platz für 22 Passagiere – war der erste akkubetriebene Linienbus in Deutschland. Er verband auf einem gut anderthalb Kilometer langen Rundkurs zunächst das Marienhospital und das Christliche Kinderhospital mit dem Neumarkt. Als 2013 ein mehr als doppelt so großer Elektrobus hinzukam, bildeten beide Wagen gemeinsam die neu geschaffene Linie 94 und hielten (vorübergehend) auch am Hauptbahnhof, im Hasepark und an der Rosenburg.

Wenn sie denn fuhren: Gerade der Mini-Elektrobus erwies sich als unzuverlässig. Er versagte im Laufe der Jahre gleich mehrfach den Dienst. „Zwischen September 2011 und Dezember 2015 gab es 273 Ausfalltage“, sagt Stadtwerke-Sprecherin Katja Diehl. Das entspreche einer Verfügbarkeit von 82 Prozent. Heißt im Klartext: Von 100 geplanten Fahrten konnten im Schnitt lediglich 82 stattfinden. Normal seien über 90. (Weiterlesen: Verkehrsclub Osnabrück hält Elektrobusse für zu anfällig)

Monatelang außer Betrieb

Die Gründe für die schlechte Quote des Mini-Elektrobusses sind vielfältig. Weil er aus einer Kleinserie stammt und auf dem Entwicklungsstand von 2008 verharrt ist, gestaltete sich etwa die Versorgung mit Ersatzteilen schwierig. So legte manchmal bereits eine vermeintlich kleine Reparatur den Betrieb dauerhaft lahm –wie im Fall eines gebrochenen Scheibenwischerarms, der erst nach Wochen ausgetauscht werden konnte. Größtes Sorgenkind war jedoch die Lithium-Polymer-Batterie: Zwischen Oktober 2013 und Februar 2014 musste der Verkehrsbetrieb fünf Monate am Stück auf das Fahrzeug verzichten, als es wegen dramatischer Reichweitenverluste in eine Spezialwerkstatt kam.

Dort fand der schwächelnde Stromspeicher zunächst zu alter Stärke zurück. Doch 2016 waren die mühsam aufgepäppelten Zellen erneut mit den Kräften am Ende. Und die Stadtwerke Osnabrück mit ihrer Geduld. Anstatt weiter Geld in ihren „kleinen Italiener“ (Neupreis 220.000 Euro) zu stecken, zogen sie ihn im Herbst mit 56.190 Kilometern auf dem Tacho aus dem Verkehr. (Weiterlesen: E-Busse auf ganzer Linie in Osnabrück – Köln macht‘s vor)

Alle Schwächen aufgedeckt

Joachim Kossow, Leiter des Projekts „Neue Mobilität“, ist ehrlich: „Das Fahrzeug erfüllte nicht die Qualitätsansprüche, die wir einmal daran gestellt haben.“ Für gescheitert hält er den Feldversuch mit dem Breda Menarinibus deswegen aber nicht. Im Gegenteil. „Wir haben wertvolle Erfahrungen gesammelt und sehen uns jetzt in der Lage, auch mit großen Stückzahlen umzugehen.“

Das ist auch nötig: Bekanntlich wollen die Stadtwerke schon bald in ganz Osnabrück nur noch mit Elektrobussen unterwegs sein – beginnend im Sommer 2018 auf der Linie 41. Allein dafür werden 13 batteriebetriebene Gelenkbusse gebraucht. Und bei der laufenden Ausschreibung seien alle Schwächen, die der Mini-Elektrobus in sechs Jahren gezeigt und aufgedeckt habe, bedacht worden, sagt Kossow. (Weiterlesen: Elektrobusse in Osnabrück – VCD befürchtet mehr Umstiege)

Wiederverkauf gescheitert

Wirklich misslungen scheint bei dem Experiment mithin nur eins: das kaputte Fahrzeug weiterzuverkaufen. „Wir haben es versucht, aber es gibt keine Interessenten“, stellt der Projektleiter fest. Bei einem Restbuchwert von einigen Zehntausend Euro – den genauen Betrag wollen die Stadtwerke nicht nennen – steht der in Wahrheit also gar nicht so göttliche E-Zeus deshalb seit geraumer Zeit beim Verkehrsbetrieb in der Garage.

Aber wohl nicht mehr lange. Laut Sprecherin Diehl soll er in Kürze „zu Forschungszwecken“ gespendet werden. Begünstigt werde eine (ebenfalls nicht näher bezeichnete) Hochschule im Ruhrgebiet, die sich auf Batterietechnik und Mobilität versteht.