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Wegen Baulos 2 und Platzgestaltung Kommt jeder zweite Baum am Osnabrücker Neumarkt weg?

Von Sebastian Stricker | 25.11.2015, 12:31 Uhr

Zu früh gefreut! Die alte Platane vor dem Osnabrücker Neumarkt-Carrée wird nun doch gefällt. Wie der benachbarte Ahorn steht auch sie laut Stadt einem geplanten Geschäftshaus im Weg. Im Zuge der Platzneugestaltung sollen sogar noch mehr Bäume weichen: Theoretisch kann es knapp die Hälfte treffen, denn nur fünf von zwölf sind durch den Bebauungsplan geschützt.

Noch vor wenigen Wochen schien die Platane an der Ecke Neumarkt/Große Hamkenstraße gerettet: Den monatelangen Tunnelabbruch hatte sie schadlos überstanden, und selbst die Entfernung eines Aufzugsschachts zu seinen Füßen konnte dem stattlichen Baum trotz ärgster Befürchtungen nichts anhaben. Kann bleiben, teilte der Fachdienst Straßenbau seinerzeit auf Nachfrage mit.

Doch andere Abteilungen haben in dieser Sache auch noch ein Wörtchen mitzureden. Jetzt steht fest: Die Platanenreihe entlang des früheren Bussteigs A 1 bestand die längste Zeit aus sechs Exemplaren. Unmittelbar vor der Bäckerei Coors wird sie gelichtet. Vielleicht sogar noch in diesem Winter, heißt es – sprich: vor März 2016. Dann muss auch der Ahorn vor H&M weg.

„Im Konflikt mit Baulos 2“

„Die Platane steht ein Stück weit im Konflikt mit Baulos 2“, begründet Franz Schürings, Leiter des Fachbereichs Städtebau. Hinter dem Begriff Baulos 2 verbirgt sich der bevorstehende Neubau eines Eckhauses vor dem Neumarkt-Carrée. Das Mitte November im Entwurf vorgestellte Gebäude rücke sehr nahe an den Stamm der Platane heran, so Schürings, außerdem rage die Baumkrone voll ins Baufeld. „Das würde nicht funktionieren.“

Hinzu kommt, dass die Platane auch im bestehenden Konzept für die Neumarkt-Platzgestaltung keine Rolle spiele. Tatsächlich zeigt die vor zwei Jahren präsentierte Siegerskizze des Landschaftsarchitektur-Büros Lützow 7 (Berlin) anstelle des Baums eine Lücke.

Prägend für das Stadtbild

Und bei genauem Hinsehen fällt auf, dass es auch nicht das einzige von insgesamt zwölf Gehölzen am Neumarkt ist, das hier bald schon fehlen dürfte. „Mindestens ein weiterer Baum im Bereich des Rondells wird wohl ebenfalls entfernt“, kündigt der Chef-Stadtplaner an – und schiebt beruhigend hinterher: „Definitiv erhalten bleiben die fünf Platanen zwischen Große Hamkenstraße und Kamp.“ Sie seien wegen ihrer prägenden Eigenschaften für das Stadtbild im Bebauungsplan Nr. 525 rechtskräftig mit einem „Erhaltungsgebot“ festgesetzt. Heißt im Klartext: Fällen verboten!

Überhaupt droht Osnabrücks zentralem Innenstadt-Platz offenbar alles andere als ein Kahlschlag. Im Gegenteil: Lützow 7 stellt sich für die Zukunft einen Neumarkt vor, auf dem viel mehr Bäume stehen als bisher.

Aus 12 mach 20

Im Bereich des Bussteigs A etwa soll ein Karree aus allein zwölf Bäumen entstehen – die fünf geschützten Platanen gehören dazu, ebenso die Platane vor dem VGH-Hochhaus. Auch der Baum inmitten des Rondells sowie der am Ausgang Grüner Brink tauchen in dem preisgekrönten Entwurf auf. Hinzu kommt laut Plan eine Handvoll neuer Bäume entlang der Häuserfront von Große Straße bis Öwer de Hase (Ecke Sportarena).

Ein weiterer Baum soll vor dem Landgericht gepflanzt werden. Macht zusammen 20. Ob schlussendlich am Neumarkt aber wirklich alles so umgesetzt wird, wie die Architekten sich das ausmalen, ist offen. Franz Schürings: „Im Moment gibt es keine weiterführenden Pläne zur Platzgestaltung.“

Weihnachtsbeleuchtung ade

Gleichwohl hat die Werbegemeinschaft Große Straße sich bereits mit der unvermeidlichen Fällung von Ahorn und Platane abgefunden. Beide Bäume dienten dem Verein jahrelang als Weihnachtsbeleuchtung. Ihre dicksten Äste sind mit schier endlos langen Kabeln umwickelt, an denen Tausende von Glühbirnen hängen. Unterhalb der Kronen sind Trafos angebracht. In diesem Jahr leuchten die Bäume zum letzten Mal.

„Wir werden die Lichterketten rausnehmen“, sagt der Vorsitzende der Kaufmannschaft, Holger Bulk. Die Technik habe einen Wert von einigen Tausend Euro. Im besten Fall könne sie an anderer Stelle wieder eingesetzt werden.