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Was Wirte in Osnabrück sagen Fünf Jahre Nichtraucherschutzgesetz: Der Qualm hat sich gelegt

Von Kim Gerecht | 31.07.2012, 17:04 Uhr

Am 1. August 2007 ist der Schrecken aller Nikotinabhängigen in Kraft getreten: das Nichtraucherschutzgesetz. Vielen stieg der Rauch am Anfang aus Wut über das neue Gesetz, das unter anderem das Quarzen in Gaststätten verbot, nicht nur aus der Zigarette. Mittlerweile hat sich der Qualm gelegt, und heute, genau fünf Jahre später, sieht die dunstfreie Welt gar nicht mehr so schlimm aus.

Im Bottled in der Osterberger Reihe in Osnabrück darf seit Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes nur noch vor der Tür geraucht werden. „Am Anfang gab es schon Proteste: Einige haben gesagt, dass sie ihr Bier dann lieber auf dem eigenen Balkon trinken würden“, sagt Besitzer Henrik Schrage. „Aber mittlerweile sagen auch die Raucher, dass sie es gut finden.“ Die Karenzzeit bis zum 1. November 2007, in der noch geraucht werden durfte, habe das Bottled mitgenommen: „Doch da war es schon ziemlich verqualmt, weil wir fast die Einzigen waren, die das ausgenutzt haben.“ Einen Umsatzrückgang durch das Gesetz bestätigt Schrage nicht.

Im Pollyesther’s am Domhof dürfen die Raucher im ersten Obergeschoss ihrer Leidenschaft frönen. Das Pollyesther’s musste durch das Gesetz nicht umbauen. „Die Leute nutzen das Angebot, dass sie sich entscheiden können“, so Besitzer Hendrik Vogelsang. Der neue Raucherbereich sei von Anfang an gut angenommen worden. Tendenziell sei er sogar eher voll als der Nichtraucherbereich, gibt Vogelsang zu. „Wir achten auch immer darauf, dass es nicht zu stickig ist.“ Er könne sich vorstellen, dass Kollegen, die großräumig umrüsten mussten, Probleme mit dem Gesetz gehabt haben könnten.

Anbauen musste der Klub Sonnendeck in der Lohstraße. „Wir haben im Hinterhof einen Raucherraum gebaut“, so Katharina Krüwel vom Sonnendeck. Anfangs habe man sich mit einem Zelt geholfen und abgewartet, ob das Gesetz bestehen bleibt, doch als es klar war, haben wir uns zu diesem Schritt entschieden.“ Nach einem Monat Bauzeit konnten die Raucher ihr neues Domizil, das Platz für 20 bis 30 Leute bietet, erobern. „Die Gäste sagen, dass sich die Luft im Laden erheblich verbessert hat“, sagt Krüwel. Wie viel der Anbau gekostet hat, wollte Krüwel nicht verraten. „Aber es war mit Kosten verbunden.“

Das Balou an der Seminarstraße musste lediglich Türen und eine Fensterscheibe aufrüsten: „Die waren von einem auf den anderen Tag da“, erzählt Besitzerin Jutta Dreher. In der ersten Woche mussten die Raucher noch vor die Tür gehen, „aber wir haben dann relativ schnell reagiert.“ Am Anfang sei es vor allem im Raucherraum voll und gesellig gewesen, „doch mittlerweile hält sich das die Waage.“ Das Balou sei schon zweimal kontrolliert worden. „Viele Gäste sagen, dass wir sogar den größten Raucherraum haben“, sagt Dreher. Ihrer Meinung nach habe das Balou ein bisschen an Flair eingebüßt durch die neuen Türen, doch das Gesetz habe nicht geschadet.

In der Branche sei das Gesetz kein Thema mehr, sagt Dieter Westerkamp, Geschäftsführer des Bezirksverbandes Osnabrück-Emsland und Grafschaft Bentheim des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Er sagt auch, dass es Umsatzrückgänge gab: „Besondere Schwierigkeiten hatten Randbetriebe nahe Nordrhein-Westfalen. Die sind im Zweifel mittlerweile verschwunden.“

Westerkamp empfindet das Gesetz als Bevormundung, und die Gastronomie leide darunter, dass viele potenzielle Gäste auf private Feiern auswichen. „Außerdem gab es starke Unterschiede in der Durchführung der Gesetzeslage.“ In einigen Regionen seien Gaststätten von Gästen angezeigt worden, in anderen habe es kaum Kontrollen gegeben.

Zum jetzigen Zeitpunkt wird im Hinblick auf das Gesetz nicht mehr nachgebessert. „Wer gelitten hat, hat jetzt schon geschlossen“, so Westerkamp.

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