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Was sagt uns der Familienname? Namensserie: Der erste Reich war ein wohlhabender und angesehener Mann

24.06.2012, 17:11 Uhr

Neue-OZ-Leser Robert Lau aus Osnabrück fragt nach dem Geburtsnamen seiner Mutter, „Reich“. Mit über 25000 Namensträgern gehört Reich zu den sehr häufigen Nachnamen in Deutschland. Der Name ist gleichmäßig im ganzen Land verbreitet, die stärkste Konzentration findet sich in Berlin. Wahrscheinlich in den meisten Fällen hatte der Name ursprünglich die Bedeutung des Adjektivs reich, das in früheren Jahrhunderten nicht nur reich im Sinne von „vermögend, wohlhabend“ bedeutete, sondern auch „mächtig, einflussreich, angesehen, vornehm“.

Seit dem Mittelalter ist der Beiname „der Reiche“ vielfach bezeugt. Zunächst trugen insbesondere Angehörige des lokalen Adels und Ritter diesen Namen, später vielfach auch Kaufleute.

„Reich“ ist die hochdeutsche Form des Namens. Im Mittelalter lautete das Adjektiv im Hochdeutschen „rîch“, im Niederdeutschen „rîk“. Im hochdeutschen Gebiet wurde der Langvokal î zum Zwielaut ei, außer im alemannischen Gebiet im Südwesten, wo der einfache Vokal bis heute erhalten blieb. Auch im Niederdeutschen blieb der alte Langvokal generell unverändert, sodass die plattdeutsche Form des Adjektivs „reich“ in heutigen Mundarten zumeist „riek“ lautet.

Bei den sehr zahlreichen Familien namens Reich und Reiche im niederdeutschen Gebiet können die Nachnamen so nicht ursprünglich sein.

Zwei Möglichkeiten kommen in Betracht: Entweder sind die Familien aus dem hochdeutschen Gebiet zugezogen, oder es liegen verhochdeutschte Formen einheimischer Namen wie Riek, Rieke vor. Vor allem die zweite Möglichkeit wird zutreffen, denn eine Angleichung plattdeutscher Namensformen ans Hochdeutsche ist beim Namen „Reich“ schon früh nachzuweisen. So erscheint ein Bürger der Stadt Halle an der Saale zwischen 1266 und 1325 in den Namensformen „Busse de Rike“, „Bosseke Rike“ und „her Busse Riche der alde“. In Halle wurde die einheimische niederdeutsche Sprache besonders früh vom Hochdeutschen verdrängt, in gleicher Weise übersetzte man die Namen aber auch andernorts.

Dass mit dem Beinamen „(der) Reich(e)“ tatsächlich der Wohlhabende gemeint war, ergibt sich auch daraus, dass der Name mit lateinisch „dives“ übersetzt wurde, das nur „reich“ bedeuten kann. So in Basel: 1262 „Henricus dictus Dives“ (Henrich genannt Reich) und 1271 „dominus Henricus dictus Riche miles“ (Herr Henrich genannt Reiche, Ritter).

In einigen Fällen mag Reich auch auf den Kurznamen Richo (zu Richard) zurückgehen, darauf deuten Namengleichungen wie 1400 „her Rich, Kirchherr von Villingen“, 1416 „her Richart“ und 1420 „her Riche“.

Im Internet finden Sie die Familiennamen, die Dr. Breidbach schon im Auftrag unserer Zeitung untersucht hat: w ww.noz.de/namen . Namensvorschläge bitte an n amensforscher@noz.de ; Gutachten: w ww.ifn.name