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An Silvester und Neujahr Keine Corona-Zahlen aus der Region Osnabrück, weil Land Daten nicht weiterleitet

Von Jean-Charles Fays | 31.12.2021, 08:15 Uhr

Obwohl Bundesgesundheitsminister Lauterbach vor einer großen Omikron-Welle warnt, wird das RKI an Silvester und Neujahr keine Corona-Zahlen aus der Region Osnabrück melden. Unsere Redaktion hat nachgefragt, woran das liegt.

Das Problem gab es bereits an Weihnachten: Während die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Osnabrück noch an Heiligabend bei 160,1 lag, stürzte sie bis zum zweiten Weihnachtstag auf 111,0 ab. Das gleiche Bild in der Stadt Osnabrück: Noch am 24. Dezember lag die 7-Tage-Inzidenz bei 160,1, sank bis zum 26. Dezember aber bis auf 104,1. So stellte es zumindest die Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts (RKI), das Covid-19-Dashboard , dar. Das Dashboard wies vom 24. bis zum 26. Dezember zudem keine einzige Neuinfektion in der Region Osnabrück aus. Was war passiert?

Landesbehörde sendete Daten erst am 26. Dezember ans RKI

Soviel vorweg: Das Problem lag nicht in Stadt und Landkreis Osnabrück: "Der Gesundheitsdienst hat jederzeit und durchgehend Daten ans RKI gemeldet", versichert der Sprecher des hiesigen Gesundheitsdienstes, Burkhard Riepenhoff. Der Meldeweg sieht vor, dass die Zahlen vom zuständigen Gesundheitsamt an die Landesbehörde – also das Niedersächsische Gesundheitsamt (NLGA) – gesendet werden, um von dort an das RKI übermittelt zu werden. Und an dieser Stelle geriet der Prozess ins Stocken.

NLGA-Sprecher Holger Scharlach bestätigt die Angaben des Gesundheitsdienstes auf Anfrage unserer Redaktion: "Die Übermittlung der Meldedaten aus den Gesundheitsämtern an das Landesgesundheitsamt war über die Feiertage durchgehend gewährleistet." Normalerweise leitet die Landesbehörde die aktuellen Corona-Zahlen auch samstags und sonntags ans RKI weiter. Nicht so am vergangenen Wochenende.

Die Landesbehörde hatte es nicht für nötig befunden, auch an Weihnachten so zu verfahren. Das NLGA habe schon im Vorfeld darüber informiert, dass die Daten zu den Neuinfizierten an den Weihnachtsfeiertagen gebündelt am 26. Dezember übermittelt würden, so Sprecher Scharlach. Die letzten Daten vor Weihnachten sendete das Landesgesundheitsamt am Donnerstag, 23. Dezember, sodass die Corona-Fallzahlen von den Weihnachtsfeiertagen erst am 27. Dezember ins Covid-19-Dashboard des RKI einfließen konnten.

RKI-Inzidenz ließ Neuinfektionen über Weihnachten unberücksichtigt

In der Konsequenz war die Inzidenz, die das RKI über die Feiertage für die Region Osnabrück auswies, weit von der Realität entfernt. So lag die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis nach der eigenen Berechnung des Gesundheitsdienstes am 24.Dezember bei 184,3 und sank bis zum 26. Dezember leicht auf 165,0. Zum Vergleich: Laut RKI soll die Inzidenz im Landkreis Osnabrück auf 111,0 abgestürzt sein. Hintergrund war, dass die Zahl der Neuinfektionen über Weihnachten in der RKI-Statistik fehlten.

Landesbehörde will auch Silvester und Neujahr keine Daten weiterleiten

Nichtsdestotrotz sieht das Landesgesundheitsamt in der späten Übermittlung der Daten kein Problem: Die Meldezahlen seien an diesen Tagen ohnehin weniger belastbar, da weniger Arztkontakte stattfinden und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt werden, wie Behördensprecher Scharlach argumentiert. In der Folge hält es das NLGA auch nicht für erforderlich, die vorliegenden Daten der Gesundheitsämter in Niedersachsen am 31. Dezember und am 1. Januar ans RKI zu senden.

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Meinung – Jean-Charles Fays
Vor Ort mühen sich die stark belasteten Mitarbeiter im Gesundheitsdienst ab, jeden Tag die Kontakte von Corona-Infizierten nachzuverfolgen und melden gewissenhaft jeden einzelnen Corona-Fall ans Landesgesundheitsamt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen gewöhnlichen Werktag, ob es sich um einen Sonntag, um Weihnachten, Silvester oder Neujahr handelt.

Das Signal, das nun aus dem Landesgesundheitsamt in Hannover gesendet wird, geht jedoch leider in eine andere, die völlig falsche Richtung. An Weihnachten, Silvester und Neujahr werde ohnehin weniger getestet, lässt ein Behördensprecher verlautbaren. Da die Meldezahlen dadurch "weniger belastbar" seien, lohne es sich auch nicht, die aus den Gesundheitsämtern gemeldeten Zahlen an jedem Tag ans Robert-Koch-Institut weiterzuleiten. Es reiche, die Daten gebündelt nach den Feiertagen weiterzuleiten.

Das hat jedoch zur Folge, dass diejenigen, die sich aus Sorge vor einer Welle von Neuinfektionen mit der Omikron-Virusvariante an Silvester oder am Neujahrstag auf dem Covid-19-Dashboard des Robert-Koch-Instituts informieren wollen, keine aktuellen Corona-Zahlen aus der Region Osnabrück vorfinden. Unter der Rubrik "Covid-19-Fälle" werden sie eine 0 finden, die 7-Tage-Inzidenz wird in der RKI-Statistik unabhängig von der realen Entwicklung des Infektionsgeschehens massiv sinken – nur, weil das Landesgesundheitsamt zu passiv ist und die vorliegenden Zahlen nicht weitergibt. Da hilft es auch nichts, wenn das RKI selbst davor warnt, dass die Daten während der Feiertage und zum Jahreswechsel nur ein unvollständiges Bild der epidemiologischen Lage liefern. Das RKI spricht in dem Zusammenhang von "einer geringeren Test- und Meldeaktivität". Eine geringere Meldeaktivität wäre dabei aber immer noch besser als gar keine Meldeaktivität.

Es passt auch nicht zusammen, wenn der Leiter des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Fabian Feil, bei einer Pressekonferenz angesichts der rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante betont: "Es kommt auf jede und jeden an", seine eigene Behörde gleichzeitig aber nicht die Notwendigkeit sieht, die vorliegenden Fallzahlen des Osnabrücker Gesundheitsdienstes taggleich ans RKI weiterzuleiten.
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Die Corona-Zahlen sollen stattdessen gebündelt am 2. Januar übermittelt werden. Auf den Wert der 7-Tage-Inzidenz am 3. Januar werde die gebündelte Übermittlung keine Auswirkungen haben. Fest steht aber schon jetzt: Auf dem Covid-19-Dashboard des RKI wird die 7-Tage-Inzidenz für die Region Osnabrück auch an Silvester und Neujahr wieder einbrechen – unabhängig davon, wie sich das Infektionsgeschehen unter dem Einfluss der sich ausbreitenden deutlich ansteckenderen Omikron-Variante wirklich entwickelt.

RKI will sich zum Meldeverhalten der Landesbehörde nicht äußern

Auf Nachfrage unserer Redaktion, ob sich das RKI wünschen würde, dass das Landesgesundheitsamt die vorliegenden Meldezahlen der lokalen Gesundheitsämter in Niedersachsen auch an Silvester und Neujahr an das RKI weiterleitet, sagte Sprecherin Marieke Degen: "Das RKI äußert sich in solchen Fragen generell nicht, ich bitte um Verständnis."