Ein Artikel der Redaktion

Warten auf ein neues Zuhause Sie sind die Ladenhüter im Osnabrücker Tierheim

01.03.2014, 11:02 Uhr

Eigentlich sind sie Hund, Katze oder Kaninchen. Aber ein bisschen Vogel steckt irgendwie auch in ihnen: Pechvogel. Tyson, Turbo und Co gehören zu den Langzeitinsassen des Osnabrücker Tierheims. Sie sind bissig, haben eine Krankheit oder einen anderen Makel, der sie zu schwer vermittelbaren Ladenhütern macht.

„Einige Tiere sind schon so lange bei uns, dass sie einem sehr ans Herz wachsen, obwohl sie auf die eine oder andere Weise problematisch sind“, berichtet Tierheim-Mitarbeiterin Monika Siegler. Zusammen mit ihren sechs Kolleginnen und Kollegen versucht sie, trotz der anfallenden Arbeit, den Tieren die schon mehrere Jahre im Tierheim sind, ein bisschen Extra-Aufmerksamkeit zu schenken. Sie sollen nicht über so einen langen Zeitraum auf tiergerechte Beschäftigung, Spaziergänge und Spielen auf der Wiese verzichten müssen. Zum Glück gibt auch Tierfreunde, die regelmäßig vorbeikommen, um die Hunde auszuführen und den Tieren damit etwas Abwechslung zu bieten, berichten die Tierheim-Mitarbeiter.

Der Wiederkehrer

Seit inzwischen drei Jahren lebt der kanarische Dogge-Schäferhund-Mischling Tyson im Osnabrücker Tierheim. Schon zweimal wurde der circa sechsjährige, kastrierte Rüde in dieser Zeit vermittelt – aber kurz darauf immer wieder zurückgebracht. „Wir schauen schon genau hin, an wen wir welchen Hund vermitteln. Tyson kann nur an sehr hundeerfahrene Leute abgegeben werden. Trotzdem waren bisher auch diese Interessenten mit ihm überfordert“, sagt Monika Siegler, während sie Tyson an der kurzen Leine auf die Auslauf-Wiese führt. „Lieber erst mal etwas Abstand halten“, richtet sie sich an zwei Tierheimbesucher, die ihn direkt streicheln wollen. „Er kann schon mal zuschnappen“.

Tyson habe einen stark ausgeprägten Beschützerinstinkt und sei sehr dominant. Er brauche einen konsequenten, verantwortungsbewussten Halter, der dem Hund gegenüber keine Unsicherheiten zeigt. Nur dann sei Tyson bereit, einen Menschen zu akzeptieren und werde zu einem lieben, ja sogar verschmusten Partner. Mit Artgenossen sei er hingegen nicht bereit Freundschaft zu schließen – und erst recht nicht mit Katzen.

Konsequenter Umgang gefordert

Tyson hat genug getobt, nun gehört die Auslauffläche Arnie. Arnie trägt seinen Namen nicht umsonst: „Er hat Rasierklingen unter den Armen“, meint Monika Siegler und lacht. Der etwa fünf Jahre alte Jack-Russel sei ein Muskelpaket. Deswegen brauche er auch viel Auslauf. Seine starke Muskulatur half Arnie, einen schlimmen Autounfall zu überstehen. Mit Beckenbrüchen und Bänderriss wurde er im Dezember 2010 als Fundtier ins Tierheim gebracht. „Er brauchte nicht operiert zu werden, seine Muskeln haben das kompensiert“, erinnert sich das Tierheim-Team. Heute neige der kleine Arnie zu chronischer Selbstüberschätzung und lege sich auch mal gerne mit deutlich größeren Hunden an. Er suche sich ganz genau aus, wen er mag und wen nicht. Auserkorene Freunde, zu denen Kinder nicht zählen, begrüßt er überschwänglich und hört auf sie, wenn sie sehr konsequent mit ihm umgehen. Fühlt sich Arnie unbeobachtet, zeige sich laut Beobachtung der Pfleger auch mal seine weiche Seite: „Er ist manchmal eine kleine Memme. Bei schlechtem Wetter friert er schnell, braucht immer die dickste Decke und bei Schietwetter morgens vom gemütlichen Kissen aufzustehen, ist so gar nichts für ihn“.

Ausgeprägter Jagdinstinkt

Neben Arnie wohnt seit Oktober 2011 Turbo. Genau wie sein Nachbar ist er ein sehr bewegungsfreudiger Hund. Turbo liebt alle Zweibeiner. Aber alles, was vier Beine hat, verfolgt er vehement. „Wenn er andere Hunde sieht, wedelt er mit dem Schwanz. Davon darf man sich aber nicht irritieren lassen“, erklärt Monika Siegler. „Er macht das, weil er sich darauf freut, den Artgenossen gleich beißen zu können“. Als Jagdterrier habe er einen ausgeprägten Jagdinstinkt. Deswegen sind Spaziergänge nur an der Leine möglich. Umso wichtiger ist für ihn ein eingezäuntes Grundstück, auf dem er sich so richtig austoben kann. Bei sportlichen Menschen, die keine anderen Haustiere haben, würde der etwa sechsjährige, temperamentvolle Rüde sicher glücklich.

Kein Schmusekätzchen

Außer den derzeit 30 Hunden leben 70 Katzen im Osnabrücker Tierheim. Eine von ihnen ist Missy. Im Sommer 2010 wurde sie als acht Monate junges Katzenbaby zusammen mit sechs anderen Katzenwelpen als Fundtier ins Tierheim gebracht. Obwohl sie die Tierheim-Mitarbeiter, die sich täglich um sie kümmern, jetzt schon seit fast vier Jahren kennt, ist sie eine menschenscheue Katze. „Missy braucht zwar Kontakt, streicht vertrauten Personen um die Beine, aber lässt sich nicht gerne streicheln“, weiß Tierheimleiterin Martina Rüthers aus Erfahrung. Die kastrierte Katze ist also das Gegenteil von dem, was viele suchen: Sie ist keine Schmusekatze.

Im März 2011 gab es Nachwuchs von einer tragenden Fundkatze im Tierheim. Eins der Katzenbabys war Phil, der inzwischen fast drei Jahre alt ist. Der kastrierte Kater sei eigentlich unkompliziert, verträglich mit anderen Katzen und dazu noch sehr hübsch mit seinem silberfarbenen Fell. Sein Manko ist der chronische Katzenschnupfen. „Es sind Schnupfenschübe, die er bekommt“, berichtet Martina Rüthers, die aber auch weiß, dass Phil gut mit der Krankheit klar kommt und dass seine Lebensqualität dadurch nicht stark beeinträchtigt ist.

Anders sieht das bei Katze Speedy aus. Bei ihr ist der Katzenschnupfen stärker ausgeprägt. Regelmäßig muss sie mit Medikamenten behandelt werden, sie muss inhalieren und Aufbauspritzen bekommen. Speedy, die nun schon seit vier Jahren im Tierheim ist – sie kam als Welpenfund nach Hellern – wäre gut in einem Haushalt aufgehoben, in dem sich ihre neuen Besitzer stetig um die notwendige Behandlung kümmern können.

Unzertrennliches Bruderpaar

Unter den acht Kaninchen im Tierheim Osnabrück gibt es ein unzertrennliches Bruderpaar. Lucky und Luke wurden ihrem Besitzer im August 2013 weggenommen. Sie waren in viel zu kleinen Buchten untergebracht, der prallen Sonne ausgesetzt und hatten keinen Zugang zu Wasser und Futter. Die beiden kastrierten Böcke gehören zur Kaninchenrasse „Deutscher Riese“. „Bisher konnten wir sie aufgrund ihrer beachtlichen Größe nicht vermitteln“, so Martina Rüthers. Kinder können sie nicht wie ein Zwergkaninchen einfach auf den Arm nehmen, und außerdem brauchen diese Tiere einen Platz von mindestens sechs bis acht Quadratmetern. „Viele Leute unterschätzen die benötigte Auslauffläche bei der Kaninchenhaltung. Diese Tiere müssen Platz zum Springen und Hakenschlagen haben“, betont die Tierheimleiterin.