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War es ein Autorennen? Radlerin in Lebensgefahr: Spekulationen um Unfallursache

Von Sebastian Philipp, Cornelia Achenbach und Svenja Kracht | 07.06.2016, 12:46 Uhr

Am Tag nach dem folgenschweren Verkehrsunfall an der Osnabrücker Martinistraße mit einer lebensgefährlich verletzten Radfahrerin ist die Ursache nach Angaben der Polizei noch unklar. Offenbar ergeben die Zeugenaussagen bisher kein einheitliches Bild.

Bisher steht fest, dass ein 23-jähriger Autofahrer aus Ostercappeln die 49-jährige Radlerin gegen 22 Uhr auf Höhe der Einmündung der Arndtstraße auf die Martinistraße mit seinem Audi erfasste. Die Frau war offenbar aus dem Katharinenviertel kommend auf die Martinistraße abgebogen, als der Wagen mit ihr kollidierte. Durch die Wucht des Aufpralls wurde die Frau laut Zeugenaussagen etwa 20 Meter durch die Luft geschleudert. Sie wurde notärztlich versorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben der Polizei bestand zum Zeitpunkt der Unfallaufnahme Lebensgefahr.

Polizei will sich an Spekulationen nicht beteiligen

Die Polizei schloss am Dienstagvormittag nicht aus, dass der 23-Jährige mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren ist. Im Internet kursierten schon am Montagabend Gerüchte über ein mögliches illegales Autorennen. So soll sich der Fahrer angeblich ein Duell mit einem anderen Fahrzeug geliefert haben. An den Spekulationen will sich die Osnabrücker Polizei jedoch nicht beteiligen. Es gelte zunächst einmal, die Spuren auszuwerten. „Wir ermitteln lieber als uns an Spekulationen zu beteiligen“, so eine Sprecherin der Polizei auf Nachfrage unserer Redaktion.

Polizei wertet Zeugenaussagen aus

Schwierig macht die genaue Klärung des Vorfalls wohl auch, dass die Zeugenaussagen bisher kein klares Bild des Unfallhergangs zulassen. So wollen mehrere an einer nahen Bushaltestelle wartenden Personen den Unfall oder zumindest Teile der Situation beobachtet und gehört haben. Jedoch sollen die Aussagen nach Angaben der Polizei teils auseinandergehen.

Tatort ausgeleuchtet

Für die Dauer der Unfallaufnahme wurde der Tatort am Montagabend durch ein Fahrzeug der Osnabrücker Feuerwehr ausgeleuchtet, die Martinistraße war in Richtung stadtauswärts gesperrt. Sowohl das Unfallfahrzeug als auch das Fahrrad der Radlerin wurden für weitere Untersuchungen sichergestellt. Wie die Polizei im Gespräch mit unserer Redaktion mitteilt, kam am Montagabend zur Sicherung der Unfallspuren das sogenannte Phidias-Verfahren zum Einsatz, mit dem ein Unfallort mittels Fotografien und einer Computersoftware detailliert aufgenommen und erfasst wird. „Nach der Unfallaufnahme ergibt sich durch das Verfahren ein detailliertes Bild, das die Suche nach Unfallursachen vereinfacht“, sagt eine Osnabrücker Polizeisprecherin. Phidias komme bei besonders schweren Unfällen wie diesem zum Einsatz.

Ermittlungen dauern an

Während der Unfallaufnahme war auch ein Sachverständiger vor Ort. Die Ermittlungen dauern nach Angaben der Polizei weiterhin an. Gegen den 23-Jährigen hat die Polizei ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet. Zudem besteht der Verdacht der Gefährdung des Straßenverkehrs.