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Walter Lupi musizierte im Luther-Haus Schneller Finger

Von Tom Bullmann | 09.09.2011, 15:20 Uhr

Wenn ihn seine eigene Musik mitreißt, dann macht sich sein linkes Bein selbstständig. Es strebt in die Höhe, sodass seine Gitarre ebenfalls den Hals heben muss. Dann öffnet Walter Lupi kurz die Augen, wird ruhiger und leitet eine besinnlichere Passage im Song ein, mit der er die Zuhörer zum Träumen einlädt. Allerdings folgen dem nur wenige im Publikum, denn die meisten starren gebannt auf die Finger des italienischen Gitarristen. Sie wollen das Rätsel lösen, wie man derart virtuos das Gitarrenspiel beherrschen und dennoch den Eindruck vermitteln kann, man schüttle das locker aus dem Ärmel.

Einige Zuschauer werden Lupis Geheimnis auf die Spur kommen, denn sie nehmen an einem Workshop teil, der jetzt im Lutherhaus angeboten wurde. Das Konzert bildet den Auftakt zu den Lernsessions – und lässt so manchen verzweifeln. Denn was Lupi mit seiner selbst entwickelten „Flat-Finger-Methode“ da zaubert, ist sagenhaft. Statt die Saiten mit einem Plektrum anzuschlagen, wie es beim „flatpicking“ üblich ist, benutzt er ausschließlich seine Fingernägel und -kuppen, um im rasanten Wechsel Sololäufe zu zupfen und Akkorde zu schlagen.

Zwischendurch schnellt seine rechte Hand über den Gitarrenkorpus, um ein Paar Rhythmen zu klopfen, derweil seine linke Hand meisterhaft über die Bünde des Gitarrenhalses huscht. Walter Lupis Setlist bietet von verträumt-balladesken Melodien über italienisch angehauchte Folklore bis zu rockenden Songs und Blues eine mitreißende Vielfalt.