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Vorspielen von Sexvideos birgt hohes Risiko Ermittlungen gegen 15-jährigen Osnabrücker wegen WhatsApp-Video

Von Waltraud Messmann | 07.07.2014, 19:52 Uhr

Der unbedachte Umgang mit Mobiltelefonen kann fatale Folgen haben. Diese leidvolle Erfahrung musste jüngst auch ein 15-jähriger Schüler aus Osnabrück machen, gegen den die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch eingeleitet hatte.

Der Grund: Er sollte ein leicht anzügliches Video, das er über den Messenger „WhatsApp“ empfangen hatte, seinen Schulfreunden vorgespielt haben. Das Amtsgericht Osnabrück ordnete die Durchsuchung des Elternhauses an. Der Schüler wurde zur Vernehmung vorgeladen und sein Handy beschlagnahmt. Der Osnabrücker Rechtsanwalt Tobias Schimmöller, der dem Jugendlichen in dem Ermittlungsverfahren zur Seite gestanden hatte, hofft nun, dass das Verfahren gegen seinen Mandanten ein mahnendes Beispiel für einen achtsameren Umgang mit WhatsApp & Co. ist. Das Ermittlungsverfahren gegen den Jugendlichen ist inzwischen wegen erwiesener Unschuld eingestellt worden.

Schwelle zur Strafbarkeit überschritten

Vielen Nutzern dieser Dienste sei aber nicht bekannt, dass diejenigen, die Videos versenden oder vorspielen, schnell Straftatbestände wie sexuellen Missbrauch von Kindern, Verbreitung pornografischer Schriften oder Gewaltdarstellung erfüllen könnten, warnt der Schimmöller gegenüber unserer Zeitung. Der Fall des 15-Jährigen mache sehr deutlich, wie schnell die Schwelle zur Strafbarkeit bei Nutzung der neuen Kommunikationsmittel überschritten sein könne. „Was die Kinder und Jugendlichen häufig als lustigen Zeitvertreib begreifen, kann sich schnell als verhängnisvoll erweisen“, betont Schimmöller.

In dem Ermittlungsverfahren gegen den 15-Jährigen ging es nach seinen Angaben konkret um das Vorzeigen pornografischer Abbildungen in Gegenwart von Personen, die noch keine 14 Jahre alt waren. Der Vorfall trug sich in einem Schulbus zu. Eine Mutter hatte Anzeige erstattet. Bei dem in dem Bus gezeigten Video soll es sich um eine kurze Filmsequenz gehandelt haben, „in der eine Darstellerin mit einer Schleuder Kastanien auf den entblößten Hintern einer anderen Darstellerin schießt“, so der Anwalt. Die Unschuld des 15-Jährigen sei unter anderem deshalb erwiesen, weil er das Handy zum Zeitpunkt des Vorspielens nicht selbst in der Hand gehalten habe. „Damit fehlte es an einer aktiven Tathandlung meines Mandanten.“

Sexuelle Handlung zum Gegenstand

Jedes Vorspielen oder jeder Austausch solcher Inhalte könne aber den Tatbestand des § 176 des Strafgesetzbuches erfüllen, warnt der Experte. „Ist der Empfänger über 14 Jahre ist, kann der Tatbestand des § 184 des Strafgesetzbuches verwirklich werden.“

Voraussetzung sei in solchen Fällen, dass der Inhalt des Videos pornografisch sei. Das heißt, die Darstellung, müsse eine sexuelle Handlung zum Gegenstand haben. „Leider ist der Begriff „sexuelle Handlungen“ aber sehr unbestimmt“, bedauert Schimmöller. So reiche es zum Beispiel aus, wenn einzelne Handlungen für den Betrachter aus dem Sinnzusammenhang als sexuell erschienen. „Das Vorzeigen, das Zusenden und das Zur-Verfügung-Stellen zum Beispiel in WhatsApp-Gruppen ist dann schon strafbar. Selbst wenn es lustig gemeint ist“, warnt der Experte.

Schimmöller spricht sich deshalb für eine gewisse Kontrolle durch die Eltern aus. Sie könnten durch Prüfung der auf dem Handy gespeicherten Medien zumindest begrenzt sicherstellen, dass keine anstößigen Videos für den Austausch zur Verfügung stünden. Außerdem sollten die Eltern selbst darauf achten, welche Videos sie mit ihren Kindern austauschen, und sie über die Gefahren aufklären. Die Kinder sollten im Zweifel von sich aus sämtliche Videos, die unangemessen erscheinen, sofort bei Empfang löschen. WhatsApp speichere sie ansonsten für ungewisse Zeit auf dem Handy ab, erläutert der Experte.

Kritik an Schulen

Der Anwalt kritisiert aber auch die Schulen. Das Beispiel des 15-Jährigen zeige, dass in der Schule kein Bewusstsein für die strafrechtlichen Gefahren von WhatsApp vorhanden sei. „Auch dort sollte eine Aufklärung der Schülerinnen und Schüler erfolgen“, forderte er.

Das Angebot an anzüglichen, makaberen, peinlichen, aber auch gewalttätigen Videos sei sehr groß, stellt Schimmöller außerdem fest. „Ein automatischer Filter, der die ausgetauschten Daten auf jugendgefährdende oder strafbare Inhalte prüft, existiert aber meist nicht.“