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Vorsitzender der jüdischen Gemeinde schwer verärgert Ruhige Friedensdemo in Osnabrück mit kleinem Eklat

Von Hendrik Steinkuhl | 25.07.2014, 22:16 Uhr

Am Freitagnachmittag haben auf dem Osnabrücker Theatervorplatz palästinensische und jüdische Vertreter gemeinsam für einen Frieden im Nahen Osten demonstriert. Die Kundgebung verlief friedlich – auf Provokationen wollten einige der Teilnehmer trotzdem nicht verzichten.

Zu Beginn der Demonstration forderte Organisator Nazih Musharbash die Besucher auf, eine Schweigeminute einzulegen. „Wir trauern um die getöteten Menschen in diesem schmutzigen Krieg .“ Der Vorsitzende der Osnabrücker Regionalgruppe der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft sagte danach, Osnabrück habe als Stadt des Westfälischen Friedens eine besondere Verpflichtung, sich für den Frieden in der Welt einzusetzen. „Wir wenden uns gegen Diskriminierung, Diffamierung und Antisemitismus!“ Eine Lösung im Nahostkonflikt bezeichnete Musharbash als möglich – wenn es einen Dialog gäbe, der durch großen internationalen Druck auf beiden Seiten begleitet würde.

Kai Evenhuis, Vorsitzender der Osnabrücker Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, warb anschließend vor allem für ein gegenseitiges Verständnis und die Bereitschaft zum Gespräch in einem verfahrenen Konflikt: „Toleranz ist der Verdacht, dass der andere recht haben könnte. Intoleranz ist die Gewissheit, dass der andere recht hat.“ Weiterhin empfahl er den Beteiligten der nun bereits 70 Jahre andauernden Auseinandersetzung, dem Motto der europäischen Aufklärung zu folgen: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ In Vertretung von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert sprach Stadträtin Rita Maria Rzyski, die die bewaffneten Auseinandersetzungen in Israel klar verurteilte: „Es gibt keine Alternative zum Dialog!“ Genauso deutlich wurde DGB-Regionsgeschäftsführerin Petra Tiesmeyer, die sagte, dass Kriege niemals für Menschen geführt würden. „Kriege richten sich immer gegen Menschen und werden um Rohstoffe und Macht geführt.“

Für einen kleinen Eklat sorgte Tilman Westphalen, Ehrenvorsitzender der Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft. In seiner Rede stellte er den Sechs-Tage-Krieg im Jahr 1967 als das große Übel im Nahostkonflikt dar. Zum Hintergrund: In diesem Krieg eroberte Israel zahlreiche Gebiete, unter anderem den Sinai und das Westjordanland. Darüber hinaus betonte Westphalen vor allem die Opferzahlen auf palästinensischer Seite. Michael Grünberg, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Osnabrück und Besucher der Kundgebung, reagierte darauf mit großer Entrüstung. Organisator Nazih Musharbash gelang es offenbar nur mit großer Mühe, Grünberg davon abzuhalten, die Demonstration zu verlassen.

„Westphalen hat in seiner Rede einseitig Israel die Schuld am Konflikt gegeben“, sagte Grünberg anschließend im Gespräch mit unserer Zeitung. Verärgert war er außerdem über einige Plakate, auf denen der Holocaust und die israelische Palästina-Politik in Verbindung gebracht wurden. „Ich versuche so gut wie möglich, diese Plakate zu ignorieren“, sagte Grünberg. Geschützt wurde die friedliche Kundgebung von einem Großaufgebot der Polizei, die mit zehn Mannschaftswagen vor Ort war.