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Vorschlag von Robert Seidler FDP: Höhere Theaterpreise für auswärtige Besucher

Von Ralf Döring | 24.02.2017, 13:03 Uhr

Der Landkreis soll mehr zur Finanzierung des Osnabrücker Theaters beitragen. Diese alte Forderung hat FDP-Fraktionsvize Robert Seidler jetzt neu formuliert. Sollte sich der Landkreis verweigern, sollen auswärtige Besucher künftig mehr zahlen.

Die FDP bringt neue Denkmodelle in die Diskussion um die Theaterfinanzierung ein. In einer Pressemitteilung tritt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Robert Seidler, dafür ein, „mit dem Landkreis über eine Übertragung von Gesellschaftsbeteiligungen“ zu verhandeln. Dabei sollen nicht allein die finanziellen Lasten neu verteilt werden. Auch die Zuständigkeiten möchte die FDP neu ordnen. Weiterlesen: Auch die Verwaltung in Osnabrück macht sich Gedanken zur Theaterfinanzierung 

Landkreis soll Verantwortung übernehmen

Seidler plädiert dafür, die Stadt möge Aufsichtsratsmandate an den Landkreis abgeben. „Der Landkreis muss bereit sein, Verantwortung mit zu übernehmen, die Stadt muss bereit sein, Verantwortung teilweise abzugeben“, sagt er. Trotzdem geht es natürlich ums Geld. Seidler stellt eine Rechnung auf, nach der die Theaterzuschüsse sich in den letzten 20 Jahren auf 200 Millionen Euro summiert hätten, was rund dreißig Prozent des Gesamtschuldenstandes der Stadt in Höhe von ca. 650 Millionen Euro ausmache. Der kaufmännische Direktor des Theaters, Matthias Köhn, möchte die Theaterzuschüsse hingegen als „Investitionen“ verstanden wissen, als „Entscheidung einer Stadtgesellschaft für ein Theater“. Das Theater erfülle Funktionen im Bereich Bildung, Soziale und Freizeit, weshalb die Zuschüsse „eine Investition in die Infrastruktur“ darstellten, sagt Köhn. Weiterlesen: OB Griesert schließt Spartenschließung aus 

Nun ist die Diskussion um die Theaterfinanzierung nicht neu. Die Stadt investiert jährlich rund 10 Millionen Euro ins Theater, der Landkreis rund 600000 Euro. Dieses Verhältnis entspricht allerdings nicht dem Anteil der Theaterbesucher aus dem Landkreis: Der macht in etwa ein Drittel aus, sagt Köhn. Daran erinnert auch Kulturdezernent Wolfgang Beckermann: Es gebe ein „deutliches Gefälle“, was das Verhältnis von Besucherzahlen aus dem Landkreis und der Stadt und dem Zuschuss zur Theaterfinanzierung angeht. Allerdings erinnert Beckermann auch an eine Initiative der Kommunen in Niedersachsen, gegen die Ungleichbehandlung von Staats- und Stadttheatern in Niedersachsen. Auch da geht es um eine Neuordnung der Theaterfinanzierung.

Investition oder Defizit?

Darauf geht Seidler nicht ein. Er nennt die öffentlichen Gelder fürs Theater auch nicht Zuschüsse und schon gar nicht Investitionen: Für ihn erwirtschaftet das Theater schlicht „Defizite“. 16,2 Millionen Euro betrage der „Verlust“, den Stadt, Land Niedersachsen und Landkreis auffangen müssten. „Es bedarf keiner Erörterung, dass diese Belastung auf Dauer nicht tragbar ist“, stellt Seidler kategorisch fest.

Für den Fall, dass der Landkreis nicht auf die Anregung der FDP eingeht, schlägt Seidler eine räumliche Preisdifferenzierung vor. „Auswärtige Besucher des Theaters müssten höhere Eintrittskartenpreise in Kauf nehmen. Einwohnern der Stadt könnte dann auf Antrag ein Teil des Eintrittspreises erstattet werden“, schlägt er vor. Weiterlesen: Die Stadtkasse ist überraschend gut gefüllt 

Bei den Parteikollegen im Landkreis stößt Seidlers Modell auf Skepsis. Es habe zwar noch keine Sitzung von der FDP-Gruppe im Kreistag gegeben, sagt der Fraktionsvorsitzende Matthias Seestern-Pauly. „Aber in der Tendenz wird der Vorschlag eher kritisch betrachtet.“