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Vorfall am Rubbenbruchsee in Osnabrück Nach Übergriffen: Bramscher Einrichtungsleiter warnt vor Pauschalurteilen

Von Sandra Dorn | 03.08.2017, 18:53 Uhr

Vor Pauschalurteilen über Flüchtlinge warnt der Standortleiter der Landesaufnahmebehörde Bramsche-Hesepe, Klaus Dierker. Am Dienstag ist ein 21-jähriger Geflüchteter aus dem Sudan, der am Wochenende Frauen am Rubbenbruchsee belästigt haben soll, vom Osnabrücker Flüchtlingshaus am Natruper Holz nach Hesepe verlegt worden.

Die Straftaten dürften nicht verharmlost und müssten strafrechtlich verfolgt werden, betont Dierker, sagt aber auch: „Ein überwiegender Teil dieser Menschen respektiert unsere Gesetze. Viele sind sehr erbost über solche Dinge und sagen: Das wirft ein schlechtes Licht auf uns.“

Die Polizei Osnabrück und der Osnabrücker LAB-Standortleiter Conrad Bramm hatten die Taten des Sudanesen als „eher kulturell bedingt“ bezeichnet, es habe sich jedoch um einen Einzelfall gehandelt. Dierker betont: „Warum jemand solche Taten begeht: diese Frage stelle ich mir auch bei jedem Deutschen.“

Was war geschehen?

Der junge Sudanese soll am Rubbenbruchsee nahe der Flüchtlingsunterkunft am Natruper Holz Frauen sexuell belästigt haben, außerdem wurde er wegen versuchter Körperverletzung angezeigt. Nachdem die Polizei ihn vor einer Woche kurzfristig in Gewahrsam genommen und dann wieder freigelassen hatte, weil keine Haftgründe vorlagen, soll er zwei Tage später erneut übergriffig geworden sein.

Wie geht es weiter in Hesepe?

Der Mann wurde am Dienstag von Osnabrück nach Bramsche-Hesepe verlegt. Dort werde ihm ein Betreuer zugewiesen, der ihn fortan täglich zum Gespräch vorladen werde, erläuterte Dierker auf Anfrage. Die Polizei auf dem Unterkunftsgelände nehme zudem eine sogenannte Gefährderansprache vor. Bei solchen Gesprächen wird Tätern üblicherweise verdeutlicht, welche Konsequenzen ihr Verhalten in Zukunft haben kann – in der Hoffnung, dass es dann keine Wiederholung gibt. Außerdem werde der Hausmeister der Unterkunft informiert und gebeten darauf zu achten, wie sich der Mann im Haus verhalte, erläuterte Dierker.

Die Polizei habe die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen, sagte eine Polizei-Sprecherin unserer Redaktion auf Anfrage, betonte aber: „Das ist eine Straftat.“ Wenn die Ermittlungsgruppe mit ihrer Arbeit fertig sei, werde der Fall der Staatsanwaltschaft übergeben.

Rund 700 Bewohner leben in der Erstaufnahmeeinrichtung Bramsche-Hesepe, in Osnabrück am Natruper Holz sind es 240. Beide LAB-Standorte stehen in engem Austausch miteinander.