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Vier Jahre nach „Gewaltexzess“ Hartes Urteil gegen 35-jährigen Osnabrücker

Von Heiko Kluge | 23.12.2015, 12:11 Uhr

Das Landgericht Osnabrück hat einen 35-jährigen Osnabrücker wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Im vergangenen Januar hatte der Mann einen Bekannten in dessen Wohnung mit zahlreichen Faustschlägen traktiert und ihm dabei Nase und Kiefer gebrochen.

Von einem „Gewaltexzess“ sprach der Vorsitzende der Strafkammer mit Blick auf die mindestens 20 Faustschläge, die der Angeklagte seinem Bekannten versetzt und ihn derart schwer verletzt hat, dass er stationär behandelt werden musste.

Grund für die Tat war offenbar eine Geldschuld von etwa 150 Euro, die der Angeklagte bei dem heute 33 Jahre alten Opfer hatte. Da es mit der Rückzahlung nicht so recht vorankam, hatte der Gläubiger seinem Schuldner gegenüber während eines Telefongesprächs drastische Worte gewählt. Sinngemäß warf er dem 35-Jährigen an den Kopf, wenn er das Geld schon nicht anderweitig aufbringen könne, solle er sich doch im Hasepark prostituieren. Diese Bemerkung brachte den Angeklagten nach Ansicht des Gerichts derart in Rage, dass er dem 33-Jährigen eine Abreibung verpassen wollte.

Zeugen tranken Alkohol

Mit einem Mittäter, dessen Identität der Justiz unbekannt geblieben ist, suchte der Angeklagte den 33-Jährigen am Abend des 23. Januar in dessen Osnabrücker Wohnung auf. Dieser hatte einige Freunde zu Gast, die nach Auffassung der Richter „in erster Linie damit befasst waren, bewusstseinserweiternde Mittel zu sich zu nehmen“. Dabei habe es sich vor allem um Alkohol gehandelt, aber vermutlich seien auch andere Substanzen im Spiel gewesen. Dies könne möglicherweise auch die „merkwürdigen Erinnerungslücken“ der Zeugen erklären, so der Richter, mit denen es das Gericht im Laufe des Verfahrens zu tun bekommen hatte.

In der Wohnung kam es dann zu einem Streitgespräch zwischen dem Angeklagten und dem 33-Jährigen. Schließlich schlug der Mann mindestens 20-mal auf den 33-Jährigen ein. Dabei trug er mit Quarzsand gefüllte Handschuhe, sogenannte Türsteherhandschuhe. Wären noch einige Schläge dazugekommen, hätten die Verletzungen des Opfers durchaus lebensbedrohlich sein können, bilanzierte der Richter. Angesichts zweier einschlägiger Vorstrafen des Angeklagten dränge sich der Eindruck auf, „dass er ein gewaltiges Aggressionspotenzial hat“.

Täter geständig

Zugunsten des Angeklagten berücksichtigten die Richter, dass sich der Mann im Wesentlichen geständig und reuig gezeigt und sich auch bei seinem Bekannten entschuldigt hatte. Dass die gefährliche Körperverletzung von der provozierenden Bemerkung des 33-Jährigen hervorgerufen worden war, hielt das Gericht dem Mann hingegen nicht zugute – denn der habe dann doch zunächst einmal relativ präzise geplant, wie er sich dafür rächen könne.

Für die Schläge befand das Gericht eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten für angemessen. Da eine frühere Verurteilung mit einbezogen werden musste, kam es insgesamt zu einer vierjährigen Gesamtstrafe. Damit gingen die Richter deutlich über den Strafantrag des Staatsanwalts hinaus, der sich für insgesamt drei Jahre ausgesprochen hatte. Beim Verteidiger des 35-Jährigen, der für ein Jahr und acht Monate plädiert hatte, löste das Urteil Fassungslosigkeit aus: „In meinen Augen hat diese Strafkammer jegliches Maß verloren.“