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Freitag um 19 Uhr, Osnabrück-Halle Vier Jahre Critical Mass in Osnabrück und 25 Jahre weltweit

Von Jörg Sanders | 28.09.2017, 10:12 Uhr

Zwei Geburtstage für die Critical Mass in diesem Monat: Seit vier Jahren rollt die „kritische Masse“ jeden letzten Freitag im Monat durch Die weltweit erste Critical Mass hatte sich vor 25 Jahren, im September 1992, in San Francisco auf die Straße begeben.

Seit dem 27. September 2013 begibt sich die Critical Mass Osnabrück einmal pro Monat auf die Straßen und fordert mehr Rechte und Sicherheit für Radler im Verkehr. Sie gilt als Aktionsform, ihrem Selbstverständnis nach aber nicht als Demonstration.

Rückenwind von der StVO

Im Verband fahren die Teilnehmer zu zweit nebeneinander durch die Stadt. Autofahrer müssen sie gewähren lassen, denn ab 16 Fahrradfahrern gilt die Gruppe der Straßenverkehrsordnung zufolge als geschlossener Verband, der nebeneinander auf der Straße fahren darf – ganz gleich, ob es einen Radweg gibt oder nicht. Die hinteren Teilnehmer dürfen sogar roten Ampeln überqueren, wenn der erste Teilnehmer noch Grün sah. Daher sichern ein oder zwei Radler den Osnabrücker Verband an Kreuzungen ab.

Holpriger Start

Die erste Critical Mass fand im September 1992 in San Francisco statt. Heute gibt es diese Aktionsform in zahlreichen Städten weltweit – mit teilweise mehreren zehntausend Teilnehmern. In Osnabrück sind es zumeist weniger als hundert Radler.

In Osnabrück verlief der Anfang im Jahr 2013 durchaus holprig. Die Polizei hatte die Radler als genehmigungspflichtige Versammlung bewertet – wegen des Organisationsgrades und der kollektiven Meinungsäußerung, hatte ein Sprecher unserer Redaktion damals erklärt. Im Oktober 2013 ließ die Polizei die Radler erst fahren, nachdem sich ein Verantwortlicher gemeldet hatte. Dafür erntete die Polizei Kritik von den Teilnehmern. Die Polizei begleitete die etwa 80 Radler mit Streifenwagen und Motorrädern.

Kaffeeschlürfen mit der Polizei

Einen Monat später, im November, ließ die Polizei die Gruppe trotz anderslautender Ankündigung ungehindert fahren. Beamte begleiteten die Gruppe – diesmal auf dem Rad –, beide Seiten zeigten sich zufrieden.

Die Lage entspannte sich weiter: Im Januar 2014 spendierte die Polizei den Teilnehmern nach der Fahrt sogar Kaffee.

Streng genommen nahm die Critical Mass nicht im September 2013 ihren Anfang in Osnabrück. Im Jahr 2009 hatte es schon mal eine in Osnabrück gegeben.

Im vergangenen Monat sollen etwa 75 Radler teilgenommen haben. Am kommenden Freitag setzt sich der Tross ab 19 Uhr wieder um Bewegung. Start ist, wie immer, an der Osnabrück-Halle. „Es geht nicht darum, anderen (motorisierten) Verkehrsteilnehmern das Recht auf die Teilnahme am Straßenverkehr zu verweigern. Es geht vielmehr darum, auf die Belange und Rechte des nicht-motorisierten Individualverkehrs aufmerksam zu machen“, ist auf der Facebookseite der Osnabrücker Critical Mass zu lesen.