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Sieben Jahre Gefängnis Versuchte Vergewaltigung in Osnabrück: 36-Jähriger verurteilt

Von Peter Selter | 05.04.2019, 18:40 Uhr

Das Landgericht Osnabrück hat einen 36-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Damit ging die Kammer deutlich über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß hinaus. Auch dem Vorschlag, den alkoholkranken Angeklagten zunächst für zwei Jahre in einer Entziehungsanstalt unterzubringen, folgten die Richter nicht.

Die Große Strafkammer sah es nach zahlreichen Zeugenvernehmungen als erwiesen an, dass der 36-Jährige, der aus Somalia stammt, am späten Abend des 21. September 2018 mit mit brutaler Gewalt versucht hat, eine heute 56-jährige Osnabrückerin zu vergewaltigen. Dabei wurde sie erheblich verletzt.

Nachdem der Angeklagte der Frau auf ihrem abendlichen Heimweg bis nach Hause gefolgt sei, habe er sie in den Hausflur gestoßen, rekonstruierte der Vorsitzende den Tathergang. Es habe einen Kampf gegeben, in dessen Verlauf der 36-Jährige sein Opfer bis auf die Unterwäsche ausgezogen habe. Als der Angeklagte sich dann selbst ausziehen wollte, sei der Frau die Flucht auf die Straße gelungen. Sie habe unter anderem zwei gebrochene Rippen, blaue Flecken und Würgemale am Hals davongetragen. (Weiterlesen: Opfer der versuchten Vergewaltigung in Osnabrück: „Dann habe ich aufgegeben“)

Ein halbes Jahr vor der jetzt angeklagten Tat hatte der Angeklagte außerdem während einer Busfahrt in Osnabrück eine junge Frau massiv sexuell belästigt. Das war zwar nicht Gegenstand des jetzigen Verfahrens, dennoch ließ sich das Gericht von dem Opfer, einer 16-Jährigen, den damaligen Tathergang schildern. Diese berichtete, wie sie der 36-Jährige zuerst verbal und dann körperlich belästigt hatte. Sie konnte sich ihm aber entziehen, indem sie aufsprang und fluchtartig aus dem Bus ausstieg.

Ein Polizist, der die Anzeige nach dem Übergriff auf die 16-Jährige seinerzeit aufgenommen hatte, erinnerte sich an die Aussage des Angeklagten, er spreche nur dann Frauen an, wenn er getrunken habe. So sei das auch bei allen seinen Freunden, habe er sich damals gerechtfertigt. (Weiterlesen: "Sehr, sehr merkwürdig“: Prozess um versuchte Vergewaltigung in Osnabrück fortgesetzt)

"Er wird es wieder tun"

Ein medizinischer Gutachter errechnete, dass der 36-Jährige bei der versuchten Vergewaltigung etwa 2,84 Promille im Blut gehabt hatte. Der Angeklagte sei alkoholkrank und durch die Erlebnisse in seinem Heimatland traumatisiert. Erkenntnisse für eine echte psychische Erkrankung gebe es zwar nicht, sehr wohl aber sei der Mann zum Tatzeitpunkt in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt gewesen. Unter Alkoholeinfluss würden sich bei ihm Strukturen im Gehirn aktivieren, die zu derartigen Handlungen führen können. "Das ist ein Muster. Er wird es wieder tun, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit", führte der Gutachter aus. Es empfehle sich eine Therapie. Zu der sei der Angeklagte zwar eigentlich nicht bereit, er habe er erklärt, lieber in eine Entziehungsanstalt als ins Gefängnis gehen zu wollen.

Die Staatsanwältin forderte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten sowie die zweijährige Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Auch der Verteidiger erklärte, dass das Verhalten seines Mandanten nicht zu entschuldigen sei. Er halte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten für ausreichend. Die Rechtsanwältin der 56-Jährigen, die als Nebenklägerin auftrat, schloss sich dem Antrag der Staatsanwältin an. "Zur Befriedigung seiner Bedürfnisse nimmt der Angeklagte alles, was ihm vor die Flinte kommt", bilanzierte die Juristin.

Die Kammer sprach den Angeklagten schließlich nicht einer versuchten Vergewaltigung schuldig, sondern einer vollendeten besonders schweren sexuellen Nötigung, die in Form einer schweren Körperverletzung erfolgt sei. So begründete sie auch das weit über die Anträge hinausgehende Urteil: Das Strafmaß für dieses Delikt liegt bei einer Freiheitsstrafe zwischen 5 und 15 Jahren und ist somit höher als bei einer versuchten Vergewaltigung.

Ohne Deutschkenntnisse kein Therapieerfolg

Auch der Forderung nach der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt mochte sich die Kammer nicht anschließen. "Es besteht keine überwiegende Erfolgswahrscheinlichkeit", beschied der Vorsitzende dem Angeklagten. Das liege auch an dessen mangelnden Sprachkenntnissen. Therapien, die ausschließlich in englischer Sprache erfolgen, gebe es in Deutschland nicht.

Gegenstand der Anklage war ursprünglich außerdem der Vorwurf der sexuellen Nötigung eines 23-jährigen Mannes aus dem Landkreis Osnabrück gewesen, dem der Angeklagte einige Tage vor dem Übergriff auf die 56-Jährige nachts nachgestellt hatte. Dieser Anklagepunkt floss aber schließlich aus Mangel an Beweisen nicht in die Verurteilung ein.

Der seit der Tat inhaftierte 36-jährige hatte in seinem Schlusswort zugegeben, Fehler gemacht zu haben. Er habe jetzt aber schon ein halbes Jahr keinen Alkohol mehr getrunken, wolle Schmerzensgeld bezahlen und eine Therapie machen. Bei der Urteilsverkündung hielt er sich die Hände vor das Gesicht.