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Verfahren nach Revision Gericht verurteilt Ex-Hausleiter aus Bad Essen wegen Missbrauchs

Von Sven Kienscherf, Sven Kienscherf | 07.02.2017, 14:59 Uhr

Das Osnabrücker Landgericht hat am Dienstag erneut den Fall eines Mannes verhandelt, der in einem Jugendheim in Bad Essen Jugendliche und Kinder missbraucht hatte. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte der Revision des Mannes in Teilen stattgegeben.

Das Gericht verurteilte den heute 42-jährigen Mann aus Oschersleben nun zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten und blieb damit knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die vier Jahre und zehn Monate gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf vier Jahre und sechs Monate plädiert. (Weiterlesen: Landgericht Osnabrück muss sexuellen Missbrauch erneut verhandeln) 

In einem ersten Prozess vor dem Osnabrücker Landgericht war der ehemaliger Hausleiter eines Jugendheims in Bad Essen zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Der Mann hatte den mehrfachen Missbrauch von Jugendlichen und Kindern in Teilen eingeräumt. Der BGH befand das Urteil jedoch in einigen Punkten für falsch und sprach den Mann in einigen Fällen frei.

System für Missbrauch aufgebaut

Daher musste das Osnabrücker Landgericht nun im Wesentlichen die Strafe anpassen, die der Mann ursprünglich erhalten hatte. Der Angeklagte hatte als Erzieher und Hausleiter nach Auffassung des Gerichts gezielt ein System aufgebaut, in dem er die Jugendlichen und Kinder missbrauchen konnte.

So förderte er bei den ihm anvertrauten Jungen eine Hierarchie, in der diejenigen oben standen, die ihm sexuell zu Diensten waren. Mit einigen der Jungen fuhr er alleine auf Reisen. Im Hotelzimmer fotografierte er die Minderjährigen und brachte sie dazu, ihn sexuell anzufassen.

Der Anwalt eines der Jungen, der als Nebenkläger auftrat, berichtete, dass sein Mandant seit den Taten erhebliche psychische Probleme habe und kaum Kontakt zu anderen Jugendlichen aufnehmen könne.

Gegen das Urteil erneut Revision eingelegt werden.