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Verdächtiger geistig verwirrt Rassistische Schmierereien an Osnabrücker Moschee

Von Andrea Pärschke, Andrea Pärschke | 15.06.2016, 17:20 Uhr

Beschmierte Wände und zerschlagene Fenster: So fand der Imam der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken „Saraj-Bosna“ am Dienstagmorgen die Moschee vor. Von einem rassistischen Hintergrund der Tat geht die Polizei zurzeit jedoch nicht aus.

„Wir wurden morgens von einem besorgten Nachbarn angerufen“, erinnert sich der Imam der Gemeinde, Ajdin Suljakovic. Da zurzeit der Fastenmonat Ramadan gefeiert wird, waren viele Mitglieder der Gemeinschaft am Abend zuvor lange in der Moschee gewesen. Nach dem Gebet, das bis etwa 0.30 Uhr dauert, seien sie dann nach Hause gegangen. Das Gebäude und die Räume waren zu diesem Zeitpunkt noch unversehrt.

An den Wänden stand „Terrorist“

Am nächsten Tag fand der Imam ein völlig anderes Bild vor: Die Scheiben waren eingeschlagen, Wände beschmiert. Unter anderem wurden die Gemeindemitglieder als „Terroristen“ beschimpft. Ajdin Suljakovic war entsetzt – verständigte die Polizei, die die Räumlichkeiten inspizierte und – laut Pressesprecher der Polizeiinspektion Osnabrück – schnell einen Tatverdächtigen ausmachen konnten. „Wir gehen zurzeit nicht von einem rechtsradikalen Hintergrund im eigentlichen Sinne aus“, betont Pressesprecher Frank Oevermann. Der Tatverdächtige, der offenbar neben beleidigenden Schmierereien auch seine Initialen hinterlassen habe, sei psychisch krank. Er sei aktuell in Behandlung.

„Ich bin traurig.“

Und doch: Auch wenn die Schmierereien offenbar eher einem verwirrten Geist als rechtem Gedankengut entsprungen sind – Ajdin Suljakovic hat das Erlebnis nachdenklich gestimmt. „Vor allem in dieser Zeit“, sagt er. Gerade hat die muslimische Gemeinde ihr 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Die Jahre seien vor allem von einem freundschaftlichen Verhältnis zu den nicht-muslimischen Nachbarn geprägt gewesen. Nun das. „Wütend macht mich das nicht“, sagt der Imam. „Es ist nur sehr traurig“.