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Verdächtige Projektbuchführung DBU erstattet Strafanzeige gegen osradio-Vorsitzenden

Von Sebastian Stricker | 01.08.2014, 14:31 Uhr

Die Luft wird dünner für den unter Betrugsverdacht geratenen Vorsitzenden des Vereins osradio 104,8. Nach der Landesmedienanstalt hat mit der Umweltstiftung jetzt auch der zweite große Geldgeber des Osnabrücker Lokalfunksenders Strafanzeige gegen ihn erstattet.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) hatten seit Dienstag ihre Förderunterlagen mit Bezug auf osradio 104,8 abgeglichen . Inzwischen sei der Sachverhalt aufgearbeitet, erklärte die DBU am Freitag auf Nachfrage unserer Zeitung. Dabei hätten sich „konkrete Verdachtsmomente“ ergeben, sagte DBU-Sprecher Franz-Georg Elpers. Die Umweltstiftung habe sich deshalb veranlasst gesehen, am Donnerstag ihrerseits Strafanzeige wegen Betrugs zu erstatten. „Wir haben den Vorgang einschließlich der Akten an die Staatsanwaltschaft übergeben.“

Gegen den Vorsitzenden des Vereins osradio 104,8 wird bereits seit Donnerstag vergangener Woche strafrechtlich ermittelt. Die NLM hatte ihn wegen des Verdachts auf Untreue und Subventionsbetrug angezeigt. Konkret wird dem Ehrenamtsträger vorgeworfen, sich für eine von Oktober 2010 bis Juni 2011 dauernde Übergangstätigkeit als Geschäftsführer von osradio 104,8 unrechtmäßig entlohnt zu haben. In diesem Zusammenhang sollen auch Projektmittel zweckentfremdet worden sein, was mutmaßlich zu unzulässigen Doppelförderungen im Bereich der Personalkosten führte. Die NLM ist mit sechsstelligen Zuschüssen pro Jahr der wichtigste Förderer des Lokalfunksenders. Die DBU arbeitete von 2008 bis 2013 bei zwei Vorhaben mit osradio 104,8 zusammen und beteiligte sich mit insgesamt über 220.000 Euro an den Kosten. Zu den weiteren Geldgebern der Rundfunkstation gehören auch Stadt und Landkreis Osnabrück mit jeweils 39.000 Euro jährlich.

Rücktrittsfrage offen

Am Mittwoch hatte der Restvorstand von osradio 104,8 den Vorsitzenden zum sofortigen Rücktritt aufgefordert . Ähnlich soll sich auch die Landesmedienanstalt positioniert haben. Eine vom Beschuldigten angekündigte Antwort auf die Frage unserer Zeitung, wie er mit diesen Rücktrittsforderungen umzugehen gedenke, steht noch aus. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe streitet er weiterhin ab.