Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Verbands- und Erfrischungsstelle Kaffee und Zigaretten für die Weltkriegssoldaten

Von Regine Hoffmeister | 31.07.2014, 20:16 Uhr

Am alten Bremer Bahnhof richtete 1914 der Vaterländische Frauenverein die „Rotkreuz-Verbands- und Erfrischungsstelle“ ein. Dort wurden verwundete Soldaten mit dem Notwendigsten versorgt, bevor sie in Lazarette kamen. Außerdem bekamen Soldaten, deren Züge auf dem Weg an die Front dort haltmachten, Kaffee und Zigaretten.

Eine der freiwilligen Helferinnen in der Dienststelle war Paula Maria Langemeyer. Aus innerer Überzeugung, dem Vaterland dienen zu wollen, trat sie am 21. August 1914 ihren Dienst an. Etwa ein Jahr später begann sie damit, ihre Eindrücke und Erlebnisse aufzuschreiben. Fünf in blumenverzierten Stoff eingebundene Tagebücher aus dieser Zeit sind bis heute erhalten.

„Die Tagebücher sind eine private Leihgabe“, berichtete Marie Toepper, Volontärin im Museum Industriekultur, die die Ausstellung „Eine Stadt im Ersten Weltkrieg“ gemeinsam mit Leiter Rolf Spilker kuratiert hat. Über einen Aufruf in unserer Zeitung seien sie an die Bücher gelangt. „Alle anderen eingereichten Bücher beschrieben eher die Geschehnisse an der Front als die Situation in Osnabrück.“

Langemeyer ergänzte ihre Aufzeichnungen um Fotografien, Zeitungsartikel, Liedtexte und Gedichte. Hauptsächlich beschrieb sie die Versorgung eintreffender Soldaten mit Kaffee, Zigaretten und manchmal auch warmen Mahlzeiten . Bis zu 1000 Liter Kaffee verteilten die Helferinnen in der Erfrischungsstelle pro Tag. Die Zeit zwischen dem Eintreffen der Züge vertrieben sich die Frauen mit dem Einmachen von Obst und Gemüse oder mit Näharbeiten.

Manchmal beschreibt Langemeyer in ihren Aufzeichnungen auch die Begegnungen von schwer verletzten Kriegsheimkehrern und jungen ausrückenden Soldaten auf dem Bahnhof. „Ist es nicht unsinnig, da ziehen die Gesunden hinaus und vor ihnen steht ihr Zukunftsbild, wie es vielleicht im günstigsten Falle ausfällt!“, notiert sie dazu.

Obwohl sie täglich mit Schwerverletzten konfrontiert ist, gibt sie bis Kriegsende ihre nationalistische, vaterländisch geprägte Haltung nicht auf. Das Kriegsende im November 1918 empfindet sie als Entwürdigung.

Am 25. Februar 1919 wurde die Verbands- und Erfrischungsstelle geschlossen. Paula Maria Langemeyer arbeitete in der letzten Nachtwache und schrieb in diesen Tagen: „Vier Jahre und acht Monate haben wir dort zugebracht, viel Arbeit, viele schlaflose Nächte haben sie uns gebracht. Alles trug sich leicht mit dem herrlichen Gedanken, wir helfen ja mit an Deutschlands Siege! Und nun? Hat die Welt je einen solchen Zusammenbruch erlebt?“

Eine Stadt im Ersten Weltkrieg

Bis zum 28. September zeigt das Museum Industriekultur seine Ausstellung „Eine Stadt im Ersten Weltkrieg. Osnabrück 1914–1918“. In dieser Serie stellen wir Exponate der Ausstellung vor. Zu sehen sind sie im Magazingebäude am Süberweg 50a in Osnabrück. Die Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags 10 bis 18 Uhr.