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Wahlkampf-Auftritt in der Lagerhalle Bundesumweltministerin Lemke in Osnabrück: Atomkraft keine sinnvolle Option

Von Matthias Liedtke | 19.08.2022, 12:37 Uhr

Naturschutz ist auch Klimaschutz – und muss mit Landwirtschaft zusammengedacht werden: Dafür plädierte Bundesumweltministerin Steffi Lemke in dieser Woche bei einer Wahlkampfveranstaltung der Osnabrücker Grünen im voll besetzten Spitzboden der Lagerhalle.

Einen besonderen Schwerpunkt möchte sie dabei nicht zuletzt angesichts der gegenwärtigen Dürre auf das Wasser als eine der wichtigsten Ressourcen legen, die derzeit in Gefahr zu sein scheinen: „Wir müssen unsere Wasservorräte schützen und sicherstellen“, sagte die Ministerin – und verwies dabei auf ein Aktionsprogramm des Bundes, das bis 2026 in den kommenden Jahren 4 Milliarden Euro für den natürlichen Klimaschutz bereitstellt.

„Natur- und Klimaschutz hängen eng zusammen“, betonte Lemke. Auch und gerade beim Wasser setze sie auf Renaturierung: Um das Wasser in der Landschaft zu halten, müssten „Deiche zurückverlegt“ und „mehr Raum für Auen und Flüssen“ geschaffen werden. Auch die Böden müssten als natürlicher Wasserspeicher fruchtbar und biodivers gehalten werden, betonte sie. Eine entsprechende „Wasserstrategie“ müsse „in die Köpfe und in die Gesetzgebung“ gebracht werden, so Lemke.

Osnabrück Vorreiter beim „Klima-Check“

Auf die Funktion der Moore, die auch landwirtschaftlich zu nutzen seien, verwies in diesem Zusammenhang aus regionaler Perspektive Stadtratsmitglied Anne Kura, die als Landesvorsitzende der niedersächsischen Grünen in Osnabrück um ein Direktmandat für den Landtag kandidiert.

Von der aktuellen Landesregierung aus SPD und CDU würden die Kommunen derzeit bei der Klimaanpassung wenig unterstützt, beklagte Kura und wünschte sich ein besseres Ineinandergreifen der Bundes-, Landes- und kommunalen Ebenen. Ein Risikomanagement für Starkregen gebe es in Niedersachsen ebenso wenig wie eine flächendeckende Fassadenbegrünung.

Hier sei Osnabrück ebenso in einer Vorreiter Rolle wie beim „Klima-Check“ schon am Beginn eines jeden Planungsverfahrens und beim Schutz der Grünen Finger, die unter anderem für Kaltluft sorgen. Aus dem Landtag komme dagegen „viel heiße Luft“ und man verschlafe auch beim wichtigen Ausbau der erneuerbaren Energien wertvolle Zeit, ärgerte sich Kura.

Kommunen handlungsfähig halten

Claus Kanke, der für die Grünen im Landkreis-Wahlkreis 74 kandidiert, plädierte dafür, den Transfer von Windenergie vom Norden in den Süden und in die Städte als „vielversprechende neue Technik“ möglichst „in die Erde“ zu verlegen, um den endlichen ländlichen Raum nicht noch mehr zu „verbrauchen“ und zu „zerschneiden“. Die Raumordnung sei ein noch zu „schwach gestimmtes Instrument“, das Synergien nutzen müsse, um etwa der Landwirtschaft „neue Möglichkeiten durch Feuchtbodennutzung“ zu bieten und die CO2-Freisetzung durch Abtorfung zu reduzieren. „Das ist günstiger als später für die Folgeschäden zu bezahlen“, betonte Kanke.

Nichtsdestotrotz seien für den Klima-, Natur- und Artenschutz „gigantische Investitionen“ nötig, um nicht zuletzt die entsprechende Handlungsfähigkeit der Kommunen zu gewährleisten. Insofern freute sich das Kreistagsmitglied über das Sofortprogramm des Bundes, das es den Kommunen erlaube, Geld und Know-how für Maßnahmen vor Ort zu beantragen.

Atomkraft keine sinnvolle Option

Das Prozedere dafür versprach Ministerin Lemke „einfach“ zu halten, das heißt wenn möglich ohne einen Umweg über das Land. Auch verwies sie darauf, dass die Unterstützung der Kommunen nicht nur finanziell erfolge, sondern auch beratend durch sogenannte „Klimaanpassungsmanager“.

Ferner sprach sie sich aufgrund hoher Sicherheitsrisiken gegen Atomkraft zur Sicherstellung der Energieversorgung aus. Das sei „keine sinnvolle Option“, so Lemke. Das Neun-Euro-Ticket bewertete sie dagegen als „sinnvollste aller Entlastungsmaßnahmen“ und stellte angesichts explodierender Energiepreise „Hilfe für die kleinsten Einkommen“ in Aussicht.

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