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Veranstaltung der Hochschule Osnabrück Studenten diskutieren beim Demokratieforum über Digitalisierung

Von Louisa Riepe | 01.12.2017, 18:08 Uhr

Wie verändert sich unser politisches System durch die Digitalisierung? Dieser Frage sind die Studenten der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Hochschule Osnabrück nachgegangen. Beim fünften Demokratieforum diskutierten sie darüber mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Medien.

Eigentlich sollte er den wichtigesten Vortrag des Tages halten: Kai Gniffke, Chefredakteur von Tagesschau und Tagesthemen und „einer der einflussreichsten Politik-Journalisten Deutschlands“. So war es zumindest von Hermann Heußner, Organisator des Demokratieforums und seines Zeichens Professor für öffentliches Recht, angekündigt worden. Doch dann überzog einer der Vorredner die vorgegebene Sprechzeit – und Gniffke musste warten.

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Wie das selbstfahrende Auto die Demokratie gefährdet

Der Programmpunkt, der so gar nicht in den Zeitplan passen wollte, war der Vortrag von Volker Lüdemann. Als Professor für Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht steht er eigentlich ohnehin regelmäßig vor den Studenten. Und trotzdem ließen sie ihn nach seinem Vortrag und einem tosenden Applaus nicht aus dem Saal. Zu viele Fragen hatten sie zu seinem Vortrag. Lüdemann hatte darüber referiert, wie das selbstfahrende Auto die Demokratie gefährdet.

Eigentlich ist so ein Thema unter der Überschrift „Demokratieforum“ nicht unbedingt naheliegend. Die anderen Redner des Tages, Oliver Rudolf, der Landeswahlleiter für Hamburg, und Barbara Thiel, Landesbeauftragte für Datenschutz in Niedersachsen, hatten über ganz andere Dinge gesprochen. Über die Chancen und Risiken von elektronischen Wahlen zum Beispiel und die Rolle des Datenschutzes in Zeiten der Digitalisierung. Gniffke würde zum Abschluss den Qualitätsjournalismus gegen Fake News und Hasskommentare abgrenzen. Lüdemann malte dagegen ein düsteres Bild: „Wir werden bald nicht nur ein paar Wilde im Internet haben, sonder ein paar Millionen Digitalisierungsverlierer.“

Die Digitalisierung lässt nicht viel Platz

Damit meint er Menschen, die durch die Digitalisierung ihre Jobs verlieren. Und die werden, so prognostiziert Lüdemann, ihren Unmut über diese Entwicklung auch in Wahlen zum Ausdruck bringen. „Ich vermute, ein Teil der Unzufriedenheit, die jetzt schon herrscht, geht bereits darauf zurück. Das betrifft den Kern unserer Gesellschaft.“ Denn anders, als bei anderen Strukturveränderungen sieht der Wirtschaftswissenschaftler dieses Mal keine Möglichkeit für die Arbeitnehmer, sich andere Jobs zu suchen. „In der Digitalisierung ist nicht mehr viel Platz.“ Das autonome Fahren ist für ihn ein weiterer Schritt in diese Richtung, „und dieses Mal betrifft es uns alle.“

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Kein Wunder, dass die Studenten bei solchen Thesen so einigen Frage- und Diskussionsbedarf hatten. Schließlich erklärte hier jemand, dass die Digitalisierung zum Ende der Demokratie führen könnte. Und so konnte Kai Gniffke erst mit einer Dreiviertelstunde Verspätung ans Rednerpult treten. „Wir glauben an eine klare Trennung zwischen Nachricht und Meinung“, begann er seinen Vortrag. Dabei wollte er Osnabrück eigentlich schnell wieder gen Norden verlassen. Gniffke befürchtete Schnee auf Heimweg.

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