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Unzerstörbare Liebe im Wandel Passion im neuen Licht

Von Thomas Hitzemann | 28.06.2016, 19:04 Uhr

Die Liaison zwischen Johannes Brahms und der 14 Jahre jüngeren, sowie verheirateten Clara Schumann gilt als pikantes Stück Musikgeschichte. Im jüngsten „Concert Remarquable“ suchen Annette Kristina Banse und Hans-Christian Schmidt-Banse einen eigenen Ansatz, diese bekannte Verbindung zu beleuchten. Brilliant unterstützt werden sie dabei von der Pianistin Seiko Tsukamoto.

In feinsinnigen Dialogen stellt das Ehepaar Banse den gesamten Verlauf der Liebesbeziehung vor. Dabei zitieren sie aus Briefen und Tagebuchnotizen von Brahms und Clara Schumann. Wie ein Film kann nun die Handlung in der Vorstellung des Publikums ablaufen.

Dreieck und Dreiklang 

Der junge Brahms lernt die Schumanns kennen, während es in deren Ehe kriselt. Nach Roberts Einweisung in die Nervenheilanstalt können Brahms und Clara ungeniert zusammen leben. Für Brahms ist Clara eine Priesterin am Klavier und eine Liebesgöttin im Bett. Doch erstaunlicherweise lebt ihre Passion nur so lange, wie sie ein Dreieck bildet. Sie ähnelt einem tonalen Dreiklang, dem der abwesende Schumann die belebende Terz zu sein scheint. Nach seinem Tod bleiben Brahms und Clara zurück, als wären sie hohle Terzen. Welch ein überraschender Deutungsversuch!

Musik als Basis 

Tatsächlich wandelt sich ihre Beziehung nach Roberts Ableben rasch in eine lebenslange Freundschaft, welche auf Erinnerungen und dem gemeinsamen Interesse an der Musik beruht. Pianistin Seiko Tsukamoto spielt, zunächst verstreut zwischen den Dialogen, einzelne Themen aus zahlreichen Werken von Brahms und Schumann. Sofort lässt ihre Anschlagskultur aufhorchen. Am Ende bringt sie die Sonate fis-Moll op.2 von Brahms im Ganzen. Da zeigt sich vollstes Werkverständnis und eine unangreifbare Technik. Ihre Interpretation steht auf dem Niveau eines Meisterkonzertes.