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Unterstützung für eine große Oper Liselotte-Stockmeyer-Stiftung fördert Braunfels‘ „Die Vögel“

Von Ralf Döring | 12.06.2014, 20:27 Uhr

Ohne Sponsoren geht auch bei einem öffentlich subventionierten Theater nicht alles. Die aufwendige Oper „Die Vögel“ von Walter Braunfels kann das Theater Osnabrück zum Beispiel nur realisieren, weil die Liselotte-Stockmeyer-Stiftung finanziell unterstützt.

dö Osnabrück. Wenn Ralf Waldschmidt und Andreas Hotz die Oper „Die Vögel“ von Walter Braunfels beschreiben, sparen sie nicht mit Superlativen. Es sei „die größte Opernproduktion der Saison“, sagt Intendant Waldschmidt, die „große musikalische und szenische Anforderungen stellt“. Und Hotz sieht in der Produktion „eine Korrektur der Opernrezeption“: Seinerzeit, Anfang der 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts, „war sie die meistgespielte Oper“, sagt der Generalmusikdirektor. Am 21. Juni stellt sich das Theater dieser Herausforderung.

Nun gilt für die Oper die Faustformel: Je größer desto teurer. Die AristophanesAdaption von Braunfels macht da keine Ausnahme; sie verlangt ein großes Orchester, einen großen Chor, große Stimmen. Und ein großes Budget: Mit 60000 Euro beziffert Waldschmidt die Zusatzkosten für „hochkarätige Gäste“, die für diese Produktion verpflichtet worden sind, und für das Rahmenprogramm, das die Produktion flankiert. Geld, das der reguläre Theateretat kaum hergeben würde.

In diese finanzielle Bresche springt die Liselotte-Stockmeyer-Stiftung. Bereits zum zweiten Mal unterstützt diese Stiftung eine Opernproduktion des Theaters Osnabrück: Vor zwei Jahren machte sie die aufwendige Inszenierung von „Macht des Schicksals“ möglich, einer der – relativ – selten gespielten Verdi-Opern. Pflegt die Stockmeyer-Stiftung ein Faible für seltene Opern?

Nicht zwingend. „Es könnte auch eine ,Traviata‘sein“, sagt der Stiftungsvorsitzende Ekkehard Risken. In Bielefeld kommt nächsten Mai ein „Tannhäuser“ mit finanzieller Hilfe der Stiftung auf die Bühne, auch nicht gerade ein Mauerblümchen der Operngeschichte. Aber etwas Besonderes erwartet Risken schon: eine spektakuläre Sichtweise, eine außergewöhnliche Regie.

Die „Vögel“ können aber durchaus als Wiederentdeckung gefeiert werden. Zwar hat die Oper seinerzeit „eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Risken – doch Braunfels war „Halbjude“. 1933 beendeten die Nazis seine Karriere, sein Schaffen verschwand im Dunkel des Dritten Reiches und wird erst allmählich wiederentdeckt: Die Deutsche Oper hat 2008 „Jeanne d’Arc“ zur szenischen Uraufführung gebracht, Bonn inszenierte in dieser Spielzeit „Der Traum ein Leben“. 

Auch die Plattenindustrie entdeckt den Komponisten nach und nach wieder. So spielte im letzten Jahr Manfred Honeck die Große Messe op. 37 ein, Anfang des Jahres erschien eine CD mit dem Klavierkonzert op. 21, die Sopranistin Marlis Petersen hat auf ihrer hochgelobten CD mit Goethe-Liedern Kompositionen von Braunfels aufgenommen. Eingesetzt hat die Renaissance indes – mit der Ersteinspielung der „Vögel“ unter Lothar Zagrosek.

Die Vögel – das Rahmenprogramm: flankiert öffentliche Probe am Samstag, 14. Juni, um 11 Uhr (Einführung: 10.45 Uhr im Oberen Foyer). Einführungsmatinee: Sonntag, 15. Juni, 11.30 Uhr, Oberes Foyer. Danach Eröffnung der Ausstellung „Walter Braunfels (1882–1954)“ Marmorfoyer.