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Unterlassene Hilfeleistung Strafverfahren gegen Osnabrücker Apotheker eingestellt

Von Sebastian Stricker | 30.01.2014, 17:51 Uhr

Nicht länger strafrechtlich verfolgt wird ein Osnabrücker Apotheker, der im Herbst 2013 einer jungen Diabetespatientin in einer medizinischen Notlage seine Hilfe verweigert haben soll. Das Verfahren sei gegen Auflage vorläufig eingestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag auf Nachfrage der Neuen Osnabrücker Zeitung mit.

Der Beschuldigte habe deutlich vor Monatsende und damit vor Ablauf der Frist einen dreistelligen Geldbetrag zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung gezahlt. Damit ist die Ermittlungsakte gemäß Strafprozessordnung (§153a) zunächst vom Tisch. Die genaue Höhe der Geldauflage nannte Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer nicht. Mit der Erfüllung der Auflage entging der Apotheker einer möglichen Vorstrafe. Ungeachtet dessen prüft die Apothekerkammer Niedersachsen in Hannover disziplinarische Maßnahmen gegen den Beschuldigten. Bei der Staatsanwaltschaft sei um Akteneinsicht gebeten worden, erklärte eine Sprecherin.

Der Apotheker soll im September eine 15-jährige Diabetikerin im Stich gelassen haben. Das chronisch kranke Mädchen hatte ihn in seinem Geschäft aufgesucht und um ein paar Bonbons gebeten, um eine akute Unterzuckerung in den Griff zu bekommen. Geld hatte es nicht dabei. Der Apotheker weigerte sich deshalb, eine Packung Traubenzucker aus seinem Verkaufsregal anzubrechen, und schickte das Mädchen weg. Erst in einer benachbarten Apotheke wurde der 15-Jährigen geholfen.

Der Beschuldigte bestreitet, dass das Mädchen äußere Anzeichen einer Unterzuckerung gezeigt habe. Sein Anwalt spricht von einer „Fehleinschätzung“. Die Eltern des Mädchens beschwerten sich gleichwohl bei der Apothekerkammer über den Fall, verzichteten jedoch auf eine Strafanzeige. Nach einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung leitete die Staatsanwaltschaft aus eigenem Antrieb Ermittlungen ein .