Ein Artikel der Redaktion

Unterlassene Hilfeleistung Staatsanwalt ermittelt gegen Osnabrücker Apotheker

Von Sebastian Stricker | 01.10.2013, 17:55 Uhr

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen einen Osnabrücker Apotheker aufgenommen. Er soll im September einer 15-jährigen Diabetes-Patientin in einer Notlage die Hilfe verweigert haben. Darüber hinaus läuft gegen ihn ein Beschwerdeverfahren bei der Apothekerkammer Niedersachsen.

Es bestehe der Anfangsverdacht der unterlassenen Hilfeleistung, sagte Alexander Retemeyer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, am Dienstag auf Nachfrage. Die Strafverfolgungsbehörde habe das Ermittlungsverfahren aufgrund „amtlicher Wahrnehmung“ eingeleitet. Anlass sei ein Bericht in der Neuen Osnabrücker Zeitung gewesen.

Darin wird beschrieben, wie ein Mädchen im Zustand akuter Unterzuckerung den Apotheker in dessen Geschäft um Hilfe bat. Weil sie kein Geld dabei hatte, um den dringend benötigten Traubenzucker zu bezahlen, blitzte die 15-Jährige ab. Nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Retemeyer würden die Ermittlungen voraussichtlich an die Polizei übergeben. Unterlassene Hilfeleistung ist im Strafgesetzbuch unter Paragraf 323c geregelt und rechtlich an strenge Bedingungen geknüpft. Sie kann mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Auch standesrechtlich hat der Vorfall ein Nachspiel. Die Apothekerkammer prüft, ob der Apotheker seine Berufspflichten verletzt hat. Wie Sprecherin Anja Hugenberg unserer Zeitung bestätigte, hatte der Vater des Mädchens offiziell Beschwerde eingereicht. Der Apotheker habe daraufhin eine Stellungnahme abgegeben. Nach Auskunft seines Anwalts bestreitet er darin, dass das Mädchen Zuckerschock-Symptome wie Zittern und Schwitzen gezeigt habe, als es bei ihm in der Apotheke war. Eine ausführliche öffentliche Erklärung kündigte Anwalt Hans-Wilken Canenbley (Georgsmarienhütte) für Mittwoch an.