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Unheimlich nettund beweglich Osnabrück: Jugendliche aus Südafrika und Peru zu Gast in der Hauptschule Innenstadt

Von Thomas Wübker | 27.09.2011, 13:20 Uhr

Eigentlich sollten die Kinder und Jugendlichen der Gruppe „Golden Youth Club“ aus Pretoria in Südafrika den Schülern der Hauptschule Innenstadt Tänze aus ihrer Heimat beibringen. Doch die Osnabrücker drehten den Spieß kurzerhand um und zeigten ihren afrikanischen Altersgenossen, was sie draufhaben.

Nachdem sich die jungen Leute aus Südafrika und die Osnabrücker beschnuppert hatten, gingen sie aufeinander zu. Kommuniziert haben sie mit Händen und Füßen sowie mit ein paar Brocken Schulenglisch. „Am Anfang war es spannend, weil wir nichts voneinander wussten“, erzählt die zwölfjährige Nursenem.

Kurze Zeit später brach das Eis. Die Jugendlichen und Kinder tanzten gemeinsam zu Musik aus Südafrika. „Dann wollten sie wissen, wie wir tanzen“, berichtet Valon (12). Also kramten die Sechstklässler ihre Handys und MP3-Player heraus, spielten ihnen Elektro-Beats vor und tanzten dazu Hip-Hop, Jump-Style oder den C-Walk. Valons anfängliche Zurückhaltung war wie die seiner Klassenkameraden verschwunden. Er hatte sich ein Urteil über die Südafrikaner gebildet: „Die sind unheimlich nett und beweglich.“

Der „Golden Youth Club“ aus Südafrika ist zusammen mit der Gruppe „Arena y Esteras“ aus Peru momentan mit der Kinderkulturkarawane unterwegs in Deutschland. In Osnabrück gaben beide Workshops. Während die Südafrikaner in der Hauptschule Innenstadt blieben, zogen die Peruaner mit einer anderen 6. Klasse ins Haus der Jugend.

Die Mitglieder beider Jugendgruppen stammen aus Verhältnissen, die von Armut, Krankheiten und Gewalt geprägt sind. An der Hauptschule Innenstadt trafen sie auf Kinder, die aus 18 Nationen und Kulturkreisen stammen, wie Sozial-Arbeiterin Claudia Drenik sagt.

Auf Augenhöhe

„Die Kinder sollen sich auf Augenhöhe begegnen“, erklärt Yogi Engels, Tourbegleiter der afrikanischen Gruppe. Dabei würden sie entdecken, dass sie viele Gemeinsamkeiten haben und gemeinsam Spaß haben können. Ein Blick auf die tanzende Gruppe zeigte, dass Engels’ Worte keine Theorie waren.

Claudia Drenik glaubt, dass die Kinder durch die Begegnung eine nachhaltige Erfahrung machen. „Sie lernen ohne Worte Spontaneität und Kreativität und sich auf künstlerischem Weg anderen Kulturen zu öffnen“, sagt sie. Klassenlehrerin Kristina Friczewski hat beobachtet, dass ihre Schüler an Selbstvertrauen gewonnen haben: „Sie wagen es nun, sich vor anderen darzustellen.“ Die Begegnung mit den Südafrikanern hat für die Osnabrücker einen weiteren Aspekt mit sich gebracht, wie Kristina Friczewski feststellt: „Es erweitert ihren Horizont.“

Yogi Engles meint, die Kinder hätten in den Workshops am Montag und Dienstag zudem erfahren, dass sie mit Tanzen etwas erreichen können. Die Osnabrücker haben gesehen, dass die Südafrikaner es bis nach Deutschland geschafft haben. Valon will jetzt auch durch Südafrika touren.

Der Besuch der Kinderkulturkarawane in Osnabrück wurde durch die finanzielle Unterstützung der Oldenburgischen Landesbank, des Katholischen Fonds, der Stiftung Umverteilen und der Stadt Osnabrück ermöglicht. Die örtliche Umsetzung wurde von Fokus e.V. bewerkstelligt.