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Von Juden und Palästinensern Ungewöhnliche Ehrung für Osnabrücker VHS-Leiter Bösling

Von Wilfried Hinrichs | 18.06.2019, 15:54 Uhr

Der Leiter der Volkshochschule Osnabrück, Carl-Heinz Bösling, ist mit einer Ehrung ausgezeichnet worden, von der die Initiatoren hoffen, dass sie über den engen Kreis der Friedensstadt Osnabrück hinaus aufmerksam registriert wird.

Im Nahen Osten stehen sich Israelis und Palästinenser feindlich gegenüber, in Osnabrück gehen die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft und die Deutsch-Israelische Gesellschaft Hand in Hand. In einer gemeinsamen Urkunde ernennen die Regionalgruppen Carl-Heinz Bösling zum Ehrenmitglied beider Gesellschaften. Bösling sei es gelungen, dem politisch interessierten Publikum "die komplexe und heftig umstrittene Nahost-Problematik durch eine beispielhaft sachlich geführte und stets den Frieden und Ausgleich betonende Art und Weise näher zu bringen", heißt es in der Urkunde. Der VHS-Leiter habe sich, gestützt von Rat und Oberbürgermeister, nicht dem Druck von Kritikern gebeugt, die eine Absetzung von Veranstaltungen zum Nahost-Konflikt verlangt hatten.

Die Standhaftigkeit der VHS-Osnabrück sei "bundesweit einmalig", sagte der Vorsitzende der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft, Nazih Musharbash, bei der Übergabe der Urkunde. "In Osnabrück ist kein Thema tabu, und das haben wir Charly Bösling zu verdanken", so Musharbash. Bundesweit sind nach seinen Angaben 90 Veranstaltungen zu Nahost-Themen auch Druck von Kritikern abgesetzt worden.

Auch in Osnabrück gab es solche Debatten. Die "Werteinitiative" zum Beispiel, ein Verein mit Sitz in Berlin, die sich als "jüdische Stimme" in Deutschland versteht, warf der VHS in Zusammenhang mit drei Veranstaltungen im vergangenen Jahr Parteinahme für die Palästinenser vor und forderte die Absetzung aller Gesprächsabende.

Die VHS Osnabrück, die gerade ihr 100-jähriges Bestehen feierte, hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Diskussionsabende zum Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern veranstaltet. Hochkarätige Experten wie der Nahost-Korrespondent Jörg Armbruster beleuchteten den Konflikt von allen Seiten.

"Ich freue mich über die Ehrung", sagte Carl-Heinz Bösling, "aber eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass man miteinander redet." Er sehe mit Sorge, dass eine sachliche und vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit dem Nahost-Konflikt nicht überall in Deutschland möglich ist. "Dabei muss man gar nicht so sehr mutig sein. Hassmails kann man einfach wegklicken", sagte Bösling.