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Unbequemer Poet mit intensiven Songs Liedermacher Pippo Pollina zählt zu den wichtigsten Stimmen Italiens

Von Marcus Tackenberg | 27.09.2011, 15:45 Uhr

In den Hitparaden seiner Heimat ist er nicht vertreten. Kein Wunder, denn mit belanglosem Mainstream-Pop hat dieser Mann nichts am Hut: Der sizilianische Cantautore Pippo Pollina holt sein Publikum nicht in der Diskothek ab, sondern im Theater, im alternativen Kulturladen, auf der Piazza und sogar in der Kirche. Seit mehr als 30 Jahren macht er das – unterwegs in ganz Europa.

„Über die Grenzen trägt uns ein Lied“ heißt sein neues Programm, in Anlehnung an die gleichnamige Biografie über ihn vom italienischen Schriftsteller Franco Vassia. Obwohl er seit Jahren als Exilant in Zürich lebt, hat es Pippo Pollina geschafft: Er zählt zu den besten und vor allem wichtigsten zeitgenössischen Liedermachern Italiens. Einer, der in seinen oft unbequemen, poetischen Texten kein Blatt vor den Mund nimmt, die Autokratie Berlusconis ebenso anprangert wie die Machenschaften der Mafia und für Freiheit, Frieden und Menschenrechte einsteht. Das hat ihm schon oft Ärger eingebracht, aber auch Anerkennung aus allen Teilen der italienischen Bevölkerung.

Erst Anfang September erhielt der 48-Jährige den renommierten Giacosa-Preis der Region Piemont. Giuseppe Giacosa war der letzte große Librettist des Landes, der unter anderem La Bohème, Tosca und Madame Butterfly schrieb.

„Es ist immer eine große Bestätigung der Arbeit und eine Befriedigung, ausgezeichnet zu werden“, sagt Pollina im Gespräch mit unserer Zeitung. „Doch es gibt verschiedene Arten von Auszeichnungen. Der Giacosa-Preis ist mir viel wichtiger als zum Beispiel ein Sieg beim Festival von San Remo.“

Dabei hätten zahlreiche Songs von Pollina das Potenzial für San Remo. Mit seiner ausdrucksstarken Stimme sowie seinen filigranen Begleitungen an Gitarre und Piano zaubert der Musiker Klanggebilde voller Anmut und Intensität. Er überzeugt in Begleitung eines Symphonieorchesters, eines akustischen Jazz-Trios, unterstützt durch ein Streichquartett, oder zusammen mit einer Rockband.

Ins Haus der Jugend bringt Pollina lediglich den Saxofonisten Roberto Petroli mit. Kein Problem für jemanden, der schon mit Charlie Mariano im Studio war und mit Georges Moustaki, Franco Battiato und Konstantin Wecker zusammengearbeitet hat.

Der Mann aus Palermo hat viel zu erzählen, einiges davon wird das Publikum morgen Abend ab 20 Uhr im Haus der Jugend hören.