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„Über Grenzen hinweg miteinander sprechen“ Erstklässler aus Atter gewinnen beim Schulwettbewerb des Bundespräsidenten

Von Thomas Wübker | 08.07.2014, 18:39 Uhr

Große Ehre für kleine Kinder: Die Mädchen und Jungen aus der 1a der Grundschule Atter waren bei Joachim Gauck und bekamen 1000 Euro von ihm. Die Osnabrücker Schüler haben das Geld für den 2. Platz beim Schulwettbewerb des Bundespräsidenten zur Entwicklungspolitik „Alle für Eine Welt – Eine Welt für Alle“ gewonnen. Nun waren sie im Schloss Bellevue in Berlin und holten sich ihren Gewinn vom Staatsoberhaupt und Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, ab.

„Der Schulwettbewerb lässt Respekt und Vertrauen wachsen und macht Hoffnung, dass es uns in Zukunft noch besser gelingen wird, international zusammenzuarbeiten“, begrüßte der Bundespräsident bei seiner Rede in seinem Amtssitz, dem Schloss Bellevue, Schüler aus ganz Deutschland. Der Wettbewerb stand unter dem Motto „Global und lokal denken und handeln – ‚Die Welt beginnt vor deiner Tür!“. Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 13 sowie Schulen als Ganzes waren aufgerufen, sich mit den Herausforderungen einer globalisierten Welt auseinanderzusetzen. Dem Aufruf des Bundespräsidenten folgten mehr als 8600 Schüler verschiedener Altersstufen. Zudem beteiligten sich etwa 30500 Schüler in der Kategorie Schulpreis. Insgesamt reichten die Teilnehmer 573 Wettbewerbsbeiträge ein.

Dann sagte Joachim Gauck etwas, das wie die Faust aufs Auge auf die Grundschüler aus Atter passte: „Es ist gut, wenn wir unsere Herzen öffnen, unseren Verstand gebrauchen und über Grenzen hinweg miteinander sprechen!“ Seit 2011 sprechen die jungen Atteraner per Skype mit Mädchen aus Malawi. Grundschullehrerin Anja Hirschmann hatte im November 2010 den Verein Magi (Malawian Girls) gegründet. Er holt Mädchen von der Straße und gibt ihnen ein Zuhause, Nahrung und Bildung. So werden sie vor sexuellem Missbrauch oder Prostitution geschützt. Mittlerweile hat der Verein in der malawischen Stadt Blantyre Häuser bauen lassen, wo Mädchen im Alter von 2 bis 15 Jahren leben und sich selbst eine Existenz aufbauen können. Von den 1000 Euro, die die Kinder bei dem Wettbewerb des Bundespräsidenten gewonnen haben, und weiteren 1000 Euro, die bei einem Sponsorenlauf der Schule zusammen kamen, soll in Blantyre ein Haus errichtet werden für Mädchen, die kurzfristig Schutz suchen.

In dem Projekt der Atteraner Erstklässler, das den Titel „Die Welt beginnt vor meiner Tür, und meine Tür ist offen“ trug, arbeiteten sie direkt mit den Mädchen aus Malawi zusammen. Sie fertigten gemeinsam ein Schlüsselpärchenmobile an. Die eine Hälfte wurde in Malawi während eines Besuchs von Anja Hirschmann gebastelt. Die andere Hälfte entstand in Deutschland. Gemeinsam überlegten die Kinder auf beiden Kontinenten, welche Eigenschaften Menschen haben müssen, um ihre Türen zu öffnen und offen gegenüber fremden Menschen zu sein. Während die Atteraner Kinder Toleranz, Wissensdurst und Freundlichkeit nannten, wählten die Mädchen aus Blantyre Respekt und Den Glauben an Gott. Auf den Zetteln beider Gruppen stand auch: Liebe.