Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Über den besten Umgang mit einem verbreiteten Kinderwunsch „Ich will aber einen Hund!“

14.12.2011, 16:05 Uhr

Mit dem Wunsch nach einem Hund werden wohl die meisten Eltern über kurz oder lang konfrontiert. Deshalb seien hier einige allgemeine Entscheidungshilfen vorgelegt.

Klar liegen die Dinge eigentlich nur in zwei Extremfällen: Fall a): Beide Eltern sehen in Hunden von jeher „einen von Flöhen besetzten Organismus, der bellt“ (Kurt Tucholsky) und zudem noch hochgefährlich ist, da beißwütig. Dann gilt Regel 1): Wenn beide Elternteile Angst vor Hunden haben, gibt es nur eines: unerbittliche Härte gegen den Wunsch des Nachwuchses. Auch wenn dieser noch so treuherzig versichert, er werde sich soooo doll um das Tier kümmern, dass die Eltern nicht einmal merken, dass ein Hund im Haus ist.

Hier ist das legendäre Kompromissmeerschweinchen, respektive der Kompromisshamster angesagt, sonst endet die Sache tragisch in der Babyklappe oder im Tierheim. Genauso klar liegen die Dinge im umgekehrten Fall, wenn beide Eltern Hundenarren sind und den Zeitpunkt gar nicht erwarten können, zu dem sie ihren kleinen Rangen ein haariges Geschwisterchen beigesellen können, ohne eines von beiden, Kind oder Hund, übermäßig zu gefährden.

Problematisch ist – wie immer – allein die Grauzone: Entweder mag ein Elternteil Hunde, der andere nicht, oder beide stehen einem Hund mit „interesselosem Wohlgefallen“ gegenüber, wie der Philosoph Kant das rein ästhetische Vergnügen einst definiert hat. In beiden Fällen sollte man relativ schnell eine klare Entscheidung treffen. Familien mit ausgeprägter Neigung zu Flug- und Fernreisen oder Tauchferien auf den Malediven eher nein, ansonsten eher ja, in dubio pro cane (im Zweifelsfall für den Hund) – vor allem, wenn ein Elternteil hundeerfahren ist. Der tägliche Umgang mit einem Hund ist ein so wichtiges und prägendes Bildungserlebnis, dass man es Kindern nur bei zwingenden Gründen vorenthalten sollte (s.o). Am wichtigsten ist dabei die Erfahrung des so ganz „anderen“ , das zugleich auf so vertrauten vier Pfoten daherkommt und so lieb aus seinem Fell guckt wie unsereins aus der Wäsche.

Hunde lehren Kinder schon im spielenden Umgang den Respekt vor der fremden Persönlichkeit, indem sie ihn sich durch Liebe und Anhänglichkeit einerseits und Eigenständigkeit andererseits wie von selbst verdienen. Diese Schulung in sozialer Intelligenz ist unter Umständen noch wichtiger als das kindgerechte Hinführen zur Verantwortung, das meist als Lernziel genannt wird.

Ist die Entscheidung einmal für den Hund gefallen, kann man nur noch den kapitalen Fehler machen, den Hund zu spät anzuschaffen, etwa wenn die Kinder zwölf oder vierzehn sind. Gesunde Hunde werden heutzutage etwa vierzehn Jahre alt, gesunde Kinder aber sind heutzutage mit achtzehn aus dem Haus. Und dann sehen die mitleidigen Nachbarn die grauer und grauer werdenden Eltern im Morgengrauen und bei Anbruch der Nacht, im Novembernebel wie im Aprilschauer sechs oder acht Jahre lang mit einem Hund Gassi gehen, der einst für die Kinder angeschafft wurde. Aber die sind längst auf zum Studium in den USA oder zum Praktikum in Posemuckel, machen Fernreisen oder sind auf den Malediven zum Tauchen. Und die Eltern täten das jetzt auch gerne – „aber Sie wissen ja, der Hund...“

Unsere Autoren haben als Professoren der Germanistik u.a. den literarischen Hund erforscht – und insgesamt neun Dackel erzogen.

Willst Du auch einen Hund? Was sagen denn Deine Eltern dazu? Diskutiere Dein Anliegen und finde Gleichgesinnte – im Internet unter www.noz.de/hund