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Trunkenheitsfahrt in Bad Rothenfelde Tödlichen Unfall: Ankläger sieht versuchten Mord

Von Henning Müller-Detert | 09.09.2011, 15:01 Uhr

Osnabrück/Bad Rothenfelde. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten für einen 48-jährigen Herforder. Im vergangenen Jahr hatte dieser bei einer Trunkenheitsfahrt einen tödlichen Unfall in Bad Rothenfelde verursacht. Der Vertreter der Anklage erkannte auf fahrlässige Tötung und versuchten Mord.

Am 4. Juli 2010 gegen 1.15 Uhr fuhr der Mann stark alkoholisiert eine Fahrradfahrerin beim Linksabbiegen von der Frankfurter Straße in den Westfalendamm an und verließ dann den Unfallort. Die daraus für die Staatsanwaltschaft resultierenden Fragen: Wusste der Angeklagte, dass er einen Menschen angefahren hat? Und: Erkannte er, dass er helfen müsste? Die Anklage bejaht beides.

Für die Staatsanwaltschaft gilt deshalb: Es liegt eine fahrlässige Tötung vor. Da der Mann weiterfuhr, sieht die Anklage den Vorwurf des versuchten Mordes erfüllt. In den zweiten Komplex eingeschlossen ist ein weiterer Unfall einige Minuten später, bei dem der 48-Jährige in ein parkendes Auto fuhr, wobei sich Fahrer und Beifahrerin, die beim Pkw standen, mit einem Sprung ins benachbarte Feld retteten. Ab dem ersten Unfall erkennt die Staatsanwaltschaft allerdings auf eine verminderte Steuerungsfähigkeit.

Der Angeklagte war regelmäßig mit seiner Freundin von Herford nach Bad Rothenfelde gefahren, wo diese als Prostituierte arbeitete. Die schwierige Beziehung war ebenfalls Gegenstand der Verhandlung, da der Mann wegen des Streits in einer Kneipe reichlich Alkohol konsumierte. Im Vorfeld des Prozesses hatte die Verteidigung eine Verständigung mit dem Ziel Bewährungsstrafe angepeilt. Dies wies die Staatsanwaltschaft zurück: „Eine Bewährungsstrafe ist weit jenseits dessen, was ich mir vorstelle.“

Am kommenden Freitag wird das Verfahren mit dem Plädoyer der Nebenklage fortgesetzt.