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Trost und Mitgefühl spenden Osnabrücker Land: Kriseninterventionsteam startet

Von Christian Lang | 14.02.2014, 18:30 Uhr

Menschen in schwierigen Situationen beistehen, sie bei Unglücksfällen trösten oder einfach nur in ihrer Nähe sein und ihnen Halt geben – das leistet in der Diözese Osnabrück seit 2013 ein Kriseninterventionsteam (KIT) des Malteser Hilfsdienstes. In wenigen Wochen sollen fünf Helfer auch in Stadt und Landkreis Osnabrück eingesetzt werden. Diese sollen jedoch nicht die Einzigen bleiben: Weitere ehrenamtliche Hilfskräfte befinden sich schon in der Ausbildung.

Nach eigenen Angaben schließt der Malteser mit der Einführung des KIT eine wichtige Versorgungslücke in der Region. Die psychologische Betreuung der Beteiligten und deren Angehörigen bei Unglücksfällen und Unfällen sei in der Vergangenheit häufig zu kurz gekommen. „Es gibt nicht mehr viele Seelsorger. Und das Personal von Feuerwehr und Rettungsdienst ist häufig überfordert, wenn es vor Ort psychologische Unterstützung geben soll“, sagt Norbert Hehmann, der Leiter für die Einsätze der Malteser in Stadt und Landkreis.

In vielen anderen Regionen Deutschlands sind Kriseninterventionsteams bereits seit Jahren institutionalisiert. Ehrenamtliche Helfer waren beispielsweise beim Transrapid-Unglück von Lathen oder bei der Loveparade 2010 vor Ort, um psychisch traumatisierte Personen ambulant zu betreuen. „Andere Regionen sind bei den KIT einfach viel weiter. Da es in vielen anderen Städten funktioniert, entstand die Idee, nachzuziehen und ehrenamtliche Helfer auch in der Diözese Osnabrück einzusetzen“, erklärt Birgit Spahn, stellvertretende Leiterin des Malteser-Kriseninterventionsteams.

Während das KIT in weiten Teilen der Diözese bereits im vergangenen Jahr mit seiner Arbeit begonnen hat, soll der Startschuss für Stadt und Landkreis laut Plan am 1. April erfolgen. Die Einsatzgebiete für die ehrenamtlichen Hilfskräfte sind vielfältig: Vom Überbringen einer Todesnachricht bis hin zur Betreuung bei Geiselnahmen, Unfällen oder Suiziden reicht dabei die Spanne der möglichen Aufgaben. Die psychologische Hilfe richtet sich in erster Linie nicht an die direkt an einem Unfall beteiligten Personen. Diese werden schließlich von den Rettungskräften medizinisch betreut. Es gehe stattdessen darum, für die Augenzeugen oder die Angehörigen da zu sein, berichtet Jens Hülsmann, einer der KIT-Helfer.

Ein Problem ist bislang noch die Finanzierung des Kriseninterventionsteams, die zweijährige Ausbildung, die jeder Helfer durchlaufen muss, kostet weit mehr als 1000 Euro, hinzu kommen noch Bekleidung und Ausstattung der Einsatzkräfte. Pro Helfer kommen schnell 2000 Euro zusammen. „Bisher bezahlen das alles die Malteser. Doch wir sind auf Spenden angewiesen“, betont Hehmann. Was er meint: Auch ehrenamtliche Arbeit kostet Geld – und diese Kosten seien in den vergangenen zehn bis 20 Jahren nahezu explodiert. Das habe vor allem mit den gestiegenen Anforderungen an die Helfer zu tun.

Viele Organisationen und Gemeinden hätten sich in der Vergangenheit häufig allein schon damit zufriedengegeben hätten, dass sich überhaupt einzelne Freiwillige melden, die seelsorgerisch bei Unfällen tätig sein möchten. Mittlerweile seien die Anforderungen an die Ehrenamtlichen aber deutlich gestiegen: Sie müssen gut ausgebildet sein, um vor Ort eingesetzt werden zu können. Die zweijährige Ausbildung ist deshalb sehr umfangreich. Sie umfasst Wochenendkurse, begleitende Praktika sowie Einsatzdienste zusammen mit Polizei und Rettungsdienst. „Vom Bund gibt es praktisch keine finanzielle Unterstützung mehr. Und das, obwohl ein KIT fast genauso arbeitet wie hauptamtliche Helfer“, berichtet Hehmann.

In der Diözese habe es bisher auch vereinzelte Spenden für das Kriseninterventionsteam gegeben, so zum Beispiel in Vechta, wo auch materielle Spenden eingegangen seien. Dennoch sei die öffentliche Wahrnehmung bislang noch nicht so hoch wie erhofft. Durch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit solle sich dies jedoch ändern. Auch neue Helfer könnten dadurch auf das KIT aufmerksam gemacht werden.

Doch wie sollte eine Person charakterlich beschaffen sein, um ins Anforderungsprofil zu passen? „Natürlich ist Empathie sehr wichtig. Dennoch dürfen die persönlichen Schicksale, mit denen man konfrontiert wird, auch nicht zu sehr beschäftigen“, sagt Hülsmann. Dies sei ein Spagat, der oftmals nur schwer zu bewältigen sei. Mitgefühl, aber kein Mitleid – dies sei das Rezept, um bei der Tätigkeit selbst nicht auf der Strecke zu bleiben. Die Helfer müssten erkennen, dass es nicht das eigene Unglück sei, das in Extremsituationen vor ihnen geschieht. „Es muss getrennt werden zwischen dem, was einem selbst, und dem, was anderen passiert“, ergänzt Spahn. Ob jemand als ehrenamtlicher Helfer geeignet sei, würden die meisten ohnehin bereits während der zweijährigen Ausbildung bemerken.