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Trink-Erinnerung entwickelt Caritas mit technischer Hilfe gegen den Pflegenotstand

Von Annika Papenbrock, Annika Papenbrock | 03.06.2016, 08:25 Uhr

Es ist lebenswichtig, genügend Wasser am Tag zu trinken. Doch was ist, wenn man sich selbst nicht mehr daran erinnern kann, ob man bereits ausreichend getrunken hat? Die Caritas in Melle hat jetzt ein neues Assistenzsystem für Pflegeeinrichtungen entwickelt, welches das Trinkverhalten kontrolliert.

Bei der Pflege älterer Menschen wird ein schlechtes Trinkverhalten immer wieder zum Problem: „Wenn im Heim festgestellt wird, dass ein Patient zu wenig trinkt, dann wird dieser vom Arzt oft sofort ins Krankenhaus geschickt“, sagt Dirk Tietz, Leiter des Caritas-Pflegedienstes in Melle. Solche Aufenthalte und Kosten müssten aber nicht sein, wenn das Trinkverhalten kontrolliert wird.

„Doch durch den Personalmangel kann diese Arbeit nicht auch noch von den Pflegekräften geleistet werden“, betont Tietz. In ganz Deutschland wird händeringend nach Pflegekräften gesucht, um der immer wachsenden Anzahl pflegebedürftiger Menschen gerecht zu werden. Um die Arbeit in Zukunft zu erleichtern, gewinnen Assistenzsysteme auch in der Pflege immer mehr an Bedeutung. Vom Schlafmonitoring mittels Bewegungssensoren, über Medikamentenautomaten bis hin zu einem Trinkassistenzsystem.

„Pflege soll nicht durch Roboter ersetzt werden“

Genau solch eine Trinkerinnerung hat die Pflegeeinrichtung in Melle entwickelt. Das Gerät „Obli“ erinnert mittels Signalton daran, dass wieder etwas getrunken werden muss. Gemessen wird dabei das Gewicht einer dazugehörigen Karaffe. Hat sich dieses Gewicht lange nicht verringert, gibt „Obli“ einen Signalton ab. „Durch die Übertragung der Daten in ein Internetportal, kann das Trinkverhalten dann beobachtet werden“, sagt Tietz.

So können Pflegekräfte besser handeln. „Das erleichtert die Arbeit, doch die Pflege selbst wird dadurch natürlich nicht ersetzt“, betont Tietz. Denn eine absolute Sicherheit gibt es nicht. „Wir können ja nicht sehen, ob der Patient das Wasser nicht vielleicht doch heimlich in die Blumen kippt“, sagt Tietz.

Küchenwaage und Sektkühler als Prototyp

Wie alle Assistenzsysteme soll auch „Obli“ die Selbstständigkeit so lange wie möglich aufrecht erhalten. Doch insbesondere Menschen höheren Alters sehen das ganz anders. „Viele haben gesagt, dass sie noch gar nicht alt genug für so etwas seien“, sagt Tietz über die Testphase von „Obli“. In den jüngeren Generationen wird ein digitales Assistenzsystem hingegen sehr gut angenommen.

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2011 hat der Caritas-Pflegedienst an einem Projekt des Landkreises Osnabrück teilgenommen, wo technische Hilfen für die Pflege entwickelt werden sollten. Mittels Küchenwaage und Sektkühler wurde in Melle dann ausprobiert und in Holland schlussendlich entwickelt. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wie „Obli“ in Zukunft vertrieben werden soll. „Manche Fragen, wie die Datensicherheit und auch die grundsätzliche Frage wie die Caritas digital werden will, müssen noch geklärt werden“, sagt Tietz.