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Thomas-Mann-Abend im Theater Auftakt: Klaus Fischer liest aus „Der Zauberberg“

Von Uta Biestmann-Kotte | 27.11.2013, 05:30 Uhr

Hinter dem Schreibtisch erheben sich via Leinwand Berge aus dem schweizerischen Davos. Ein Paar Skier lehnt neben der Bühne und bildet gleichfalls eine passende Kulisse zum Auftakt einer sechsteiligen Lesung von Thomas Manns 1924 erschienenem Jahrhundertroman „Der Zauberberg“.

Von Schauspiel-Dramaturg Peter Helling als „literarische Bergtour“ an unterschiedlichen Orten konzipiert, erinnert die Lesung mit dem Osnabrücker Schauspieler Klaus Fischer an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der sich 2014 zum 100. Mal jährt. Im Januar wird die Lesungsreihe fortgesetzt.

Der gut besuchte Auftakt der Reihe im oberen Foyer des Theaters stand am Montag denn auch ganz im thematischen Zeichen der „Ankunft“.

Aufgegliedert in die Kapitel-Auszüge „Vorsatz“, „Ankunft“, „Im Restaurant“, „Ehrbare Verfinsterung“ und „Frühstück“, drehte sich die Handlung um den jungen Ingenieur Hans Castorp, der zu einem dreiwöchigen Krankenbesuch im Internationalen Sanatorium „Berghof“ eintrifft und sieben Jahre bleiben wird.

Die Schicksalsgemeinschaft, die er dort vorfindet, lässt sich als Sinnbild für den Verfall einer bürgerlichen Gesellschaft im Vorfeld des Ersten Weltkriegs verstehen. Gleichzeitig kommt Thomas Manns Metapher von Krankheit als „Verfeinerung“ des Menschen zum Tragen.

Von der dem Alltag entrückten Atmosphäre auf diesem „Zauberberg“ wird sich auch Hans Castorp zunehmend einfangen lassen. Am Bühnen-Schreibtisch sitzend, verstand es Klaus Fischer mit seinem Vortrag, das von Thomas Mann in ironisch-morbiden Tönen geschilderte Flair überzeugend wiederzugeben.

Schnodderig hanseatisch ließ Klaus Fischer etwa Hans Castorps lungenkranken Vetter Joachim Ziemßen über Liegekuren oder Leichentransporte per Bobschlitten plaudern. Militärisch-zackig wurde der Tonfall, wenn Hofrat Behrens den blassen Hans Castorp gleich beim ersten Zusammentreffen als „total anämisch“ diagnostiziert.

Mit weiteren fünf Stationen im Felix-Nussbaum-Haus, der Jüdischen Gemeinde, dem Lortzinghaus, dem Regenwaldhaus im Botanischen Garten sowie dem Treffpunkt für Kunst und Kultur im Ameos-Klinikum soll die Atmosphäre des „Zauberbergs“ in jeweils eigenständigen Lesungen weiter zum Tragen kommen.

Der nächste Termin ist am 8. Januar 2014 um 19.30 Uhr im Felix-Nussbaum-Haus, Lotter Straße 2. Eintrittskarten unter Tel. 0541/7600076.